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Checkliste im Falle einer Verlegung in die Klinik
oder einer geplanten Klinikgeburt

Richtlinien für das Klinikpersonal

Wer sicher gehen möchte, daß auch im Falle einer Verlegung in die Klinik oder auch bei einer geplanten Klinikgeburt nach Möglichkeit die persönlichen Interessen berücksichtigt werden, sollte sich vorher informieren, welche Standards in der Klinik gelten, und man sollte festlegen, ob diese alle auch erwünscht sind, oder ob man davon in bestimmten Fällen abweichen möchte.

Hier habe ich eine Checkliste zusammen gestellt, wie sie aussehen könnte.
Ich möchte aber bitten, eines zu bedenken:
Die Hebammen und Ärzte in der Klinik sind natürlich keine Feinde. Beim Lesen der Checkliste könnte sich der Gedanke aufdrängen, daß man ständig auf der Hut sein muß, daß das Personal nichts "falsch" macht. Natürlich sind Hebammen und Ärzte mit Sicherheit routiniert und würden bewußt nichts tun, was der Gebärenden oder dem Baby schaden würde.
Es ist aber auch so, daß das Klinikpersonal auch den Klinikroutinen unterworfen ist, daß es immer sein Ziel sein wird, eine Geburt voran zu treiben, daß es möglich ist, daß die Hebamme zuwenig Zeit und Aufmerksamkeit übrig hat, daß mehrere Gebärende auf einmal betreut werden müssen, und daß Maßnahmen zur Beschleunigung oder Verlangsamung der Geburt vorgenommen werden, ohne daß die Gebärende gefragt wird, oder ohne daß bewußt gemacht wird, was das für Mutter oder Baby bedeuten kann.

Zu jedem Punkt habe ich kommentiert, warum ich ihn auf meine Checkliste gesetzt habe.
Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob er den Punkt dann beibehält, ändert oder streicht. Ich habe nur alles, was mir an Standard-Maßnahmen bekannt ist aufgeführt.

Es ist ganz sicher ratsam, die Checkliste mit der leitenden Hebamme und dem Stationsarzt durchzusprechen, wenn man sich in der Klinik vorstellt. Im Gespräch wird man gleich merken, ob man individuellen Wünschen entgegen kommt und Verständnis dafür hat, oder ob das Personal eher ablehnend reagiert, oder gar beleidigt ist. Das wiederum ist natürlich auch eine Frage der Diplomatie. Wenn man gleich ankommt, mit der Liste wedelt und drohend guckt, kann das natürlich ziemlich schnell nach hinten los gehen...
Die Liste würde ich dann zur Sprache bringen, wenn man sich vom Bauch her bereits entschieden hat, in dieser Klinik gebären zu wollen. (Ich mag das Wort "Entbindung" nicht, frau "wird nicht entbunden" und ist dabei passiv - sie ist aktiv, sie gebärt ihr Kind...)
Im günstigsten Fall trefft man ohnehin auf eine hebammengeleitete Station, die Wert auf den Weg der sanften Geburt legt und und sich bemüht, ganz auf die Bedürfnisse einer Gebärenden einzugehen, und diese nicht als Nummer zu sehen.

Diesen Hebammen ist es dann auch nur recht, wenn die Frauen wissen, was sie wollen, und um was es in bestimmten Situationen geht. Die Leitlinien der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin und der Dt. Ges. f. Gynäkologie und Geburtshilfe stützen die Liste in einigen Punkten, es kann daher sehr hilfreich für die Argumentation sein, diese Leitlinien dabei zu haben.

Checkliste (hier ohne Kommentare downloaden als *.pdf)

Unter der Geburt

Punkt 1 - wehenbeschleunigende oder wehenhemmende Maßnahmen
Solange keine medizinische Indikation besteht, möchte ich keine medikamentösen oder manuellen wehenfördernden Mittel, ebenso möchte ich auf wehenhemmende Maßnahmen verzichten. Sollten Maßnahmen notwendig werden, bevorzuge ich sanfte Möglichkeiten wie Homöopathie, Akupunktur oder Aromatherapie.
Kommentar: Manchmal gibt es unter der Geburt einen Punkt, an dem es scheinbar erst mal nicht mehr weiter geht. Der Muttermund ist halb oder dreiviertel geöffnet, und dann gehen die Wehen weg, oder sind nicht mehr richtig effektiv. Das ist im Krankenhaus nicht selten ein Grund, ein wehenbeschleunigendes Mittel zu geben, damit die Wehen wieder in Gang kommen und der Muttermund weiter auf geht. Solange es dem Baby aber gut geht, sein Herzschlag in Ordnung ist, und es keine Hinweise darauf gibt, daß es in Gefahr ist, ist eine wehenverstärkende Maßnahme nicht unbedingt notwendig.
Es kann sein, daß die Gebärende unbewußt selber die Wehen "zurückschraubt". Vielleicht, weil etwas an der Situation ihr nicht behagt. Die Natur hat es so eingerichtet, daß eine Frau die Geburt kurzzeitig unterbrechen kann, um sich einen Platz zum Gebären zu suchen, der ihr sicherer erscheint. Vielleicht gibt es also jemanden im Umfeld, der sich störend auf die Geburt auswirkt. In dem Fall kann es sinnvoll sein, sich zu sammeln, alle nicht unmittelbar Beteiligten aus dem Gebärzimmer zu bitten, und einige Zeit zu warten, ob die Geburt nicht selber wieder in Gang kommt.
Vielleicht hat aber auch gerade ein Schichtwechsel statt gefunden, und die Gebärende ist mit der neuen Hebamme noch nicht ganz warm. In jedem Fall sollte man sich erst mal ein bisschen Ruhe und Platz schaffen - solange es dem Baby und der Frau gesundheitlich gut geht, gibt es keinen Grund für ein künstlich erhöhtes Aktionstempo. Die Frau wird selbst am Besten wissen, was für sie und ihr Kind gut ist.
Ab und an wird auch der Muttermund durch die Hebamme künstlich geweitet. Das ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern auch nicht ganz ungefährlich.
Bei allen wehenfördernden Maßnahmen gehen die Wehen in der Regel so plötzlich und heftig weiter, daß die Gebärende sich mental kaum darauf einstellen kann. Hinzu kommt, daß auch das Baby eventuell mit dem plötzlichen Streß mit bedenklich erhöhtem Herzschlag reagieren kann. Das wiederum hat zur Folge, daß die künstlich herbei geführten Wehen wieder von einem Wehenhemmer unterdrückt werden, damit das Baby sich wieder beruhigen kann. So kann es dann bis zum Ende der Geburt weiter gehen, Wehen fördern, Wehen blocken... das ist weder spaßig noch gesund, leider aber nicht selten. Solange es also keine medizinischen, gesundheitlichen Gründe gibt, die Geburt schnell voran zu treiben, sollten Mutter und Kind sich alle Zeit nehmen, die sie brauchen.
Und wenn es nötig werden sollte, kann man auch erst mal mit sanften Mitteln, wie Homöopathie, Akupunktur oder Aromatherapie versuchen, die Wehen wieder anzuschieben.


Punkt 2 -
Freie Wahl der Geburtsposition
Solange es keine medizinischen Einwände gibt, möchte ich mich jederzeit frei bewegen können, notfalls mit einem mobilen CTG-Gerät.
Kommentar: Heute ist es in fast allen Kliniken üblich, daß die Frau sich frei bewegen kann, solange medizinisch nichts dagegen spricht. Viele Jahre war es leider üblich, die Gebärenden in eine Rückenposition zu bringen. Das hatte nur einen einzigen Grund: Ärzte und Hebammen kamen besser an die Gebärende heran. Die Rückenlage sollte aber nur eingenommen werden, wenn es der Frau danach ist. Wenn ein CTG in Rückenlage geschrieben wird, kann es sein, daß die Herztöne des Babys schlechter werden, weil in dieser Lage nicht selten die Versorgung des Babys abgeschnürt wird. Beim CTG sollte man also möglichst auf der Seite liegen oder aufrecht sitzen. Man sollte meinen, daß dies inzwischen auch in allen Kliniken angekommen sein sollte. In Geburtsberichten aus diversen Schwangerschaftsforen lese ich aber leider immer wieder, dass dies nicht so zu sein scheint. Deshalb ist es vielleicht gut, das nochmal zu erwähnen.

Punkt 3 - Kein Publikum
Außer meinem Mann, meiner Hebamme, und falls es notwendig sein sollte, meinem Arzt sollen sich keine weiteren Personen im Gebärzimmer aufhalten. Ich stelle mich nicht als Testperson für AIPler oder Hebammenschülerinnen zur Verfügung.
Kommentar: Natürlich müssen auch Ärzte und Hebammen ausgebildet werden. Aber so eine Geburt ist etwas unendlich privates, es gibt kaum etwas intimeres. Manche Frauen haben deshalb berechtigt Probleme sich fallen zu lassen, wenn sich dauernd Publikum mit im Raum aufhält, es vielleicht sogar wechselt. Es ist schwer genug, sich bei Schichtwechsel auf eine neue Hebamme einzustellen.

Punkt 4 - Gedämpftes Licht und wohlige Wärme

Spätestens in der Austreibungsphase sollte das Licht im Geburtszimmer gedämpft werden. Das Gebärzimmer sollte angenehm beheizt sein.
Kommentar: Inzwischen sollte auch das in allen Kliniken angekommen sein, aber erwähnenswert ist es immer wieder: Wenn das Baby aus seiner dunklen warmen Höhle kommt, ist es sicher ganz nett, wenn es nicht gleich von einem grellen OP-Licht in einem kalten Kreißsaal begrüßt wird.

Punkt 5 - Dammriss statt Dammschnitt (Episiotomie)
Falls es keine medizinische Indikation dafür gibt, möchte ich auf einen Dammschnitt verzichten. Kommentar: Inzwischen werden immer öfter Kaiserschnitte nach Misgav Ladach vorgenommen, sogenannte "sanfte" Kaiserschnitte, bei denen nur die obere Hautschicht am Bauch geschnitten, das Gewebe darunter aber gerissen wird. Das hat einen ganz einfachen Grund: Das Gewebe bricht wie an einer Sollbruchstelle, sucht sich den leichtesten Weg, es werden viel weniger Gefäße zertrennt, als bei einem Schnitt. Außerdem hat sich gezeigt, daß Riss-Narben wie Reissverschlüsse sind, man kann sie besser wieder zusammenfügen, sie heilen schneller, sind weniger schmerzhaft, die Mutter ist viel schneller wieder auf den Beinen. Das ist inzwischen bekannt, und deshalb wird nun immer öfter dieser sanfte Kaiserschnitt durchgeführt.
Natürlich verhält es sich bei einem Dammschnitt ganz genauso - ein Riss sucht sich seinen eigenen Weg, muß häufig nicht mal versorgt werden, heilt viel besser und ist weniger schmerzhaft - trotzdem gibt es in einigen Kliniken immer noch horrende Dammschnittquoten "weil es schon immer so gemacht wurde". Und in vielen Kliniken sind die Dammschnittquoten auch geschönt. Deshalb sollte man nochmal explizit darauf hinweisen, daß man einen Riss bevorzugt.
Und falls Euch jemand einen teuren Epi-No Dammtrainer aufschwatzen will, verweist ihn an Ökotest


Nach der Geburt

Punkt
6 - Auspulsieren der Nabelschnur
Solange es keine medizinische Indikation dafür gibt, sollte die Nabelschnur meines Babys erst nach dem Auspulsieren abgeklemmt werden.
Kommentar: Das Auspulsieren lassen der Nabelschnur erleichtert dem Baby den Übergang zur eigenen Atmung, es hat Zeit, denn es wird noch über die Plazenta der Mutter mit versorgt, kann sich langsam anpassen, muß seinen ersten Atemzug nicht hektisch tun.
Ein interessanter Aspekt ist sicher auch im Kommentar zu diesem Artikel von Alice B. Stockham von 1883 angeführt: "(mit dem Auspulsieren-lassen der Nabelschnur dürfte Stockham vielen "ihrer" kleinen Kinder späteres Asthma erspart haben, das auf die brutale, zu frühe Abtrennung der Nabelschnur zurückzuführen ist., M.W.)"
Zitat aus einem interessanten Asthma-Artikel (Quelle folgt):
"Neben diesem Faktor, hat Streß während der Geburt (Wehenauslösung, Narkose) sowie die Dauer des Geburtsvorgangs und hier insbesondere Kaierschnitt sowie die vorzeitige Durchtrennung der Nabelschnur einen Einfluß auf die allergische Disposition eines Kindes. Forschungsergebnisse zeigen, daß allergiekorrelierte IgE nicht plazentagängig sind, folglich im Fötus selbst entstanden sein müssen. Für ihre Gegenspieler, die IgG ist die Plazentaschranke allerdings passierbar.
Läßt man nun der Nabelschnur Zeit, sich auszupulsen, können möglichst viele IgG in den kindlichen Kreislauf gebracht werden. Kinder, die bereits zur Geburt einen erhöhten IgE-Spiegel aufweisen, erkranken, wie sich gezeigt hat, später verstärkt an atopischen Erkrankungen. Interessant ist, daß im heutigen China "einige Ärzte Plazentaextrakt in die Punkte Lu 6 , M 40 und V23" injizieren, um allergisches Asthma zu behandeln."


Punkt 7 - Ein Stück Nabelschnur
Ich möchte ein Stück der Nabelschnur mitnehmen, bitte schneiden Sie ein Stück ab und geben Sie es in einer geeigneten Verpackung (Folie) meinem Partner mit.
Kommentar: Dieser Punkt hat keinen medizinischen Hintergrund. Ich hatte einfach den Wunsch ein Stück von der letzten physischen Verbindung zu meinen Kindern behalten zu wollen, habe beide Stücke zu Hause auf einen Teller zusammen gerollt wie eine Schnecke und sie 2x täglich gewendet. Bei Ben haben wir leider den Fehler gemacht, den Teller auf die Heizung zu stellen, die Nabelschnur trocknete zu schnell und blieb dadurch sehr flach. Ich möchte die beiden Stücke zu einem Schmuckstück fassen lassen. (Übrigens: Die Entnahme und Lagerung von Nabelschnurblut ist zum heutigen Stand höchst umstritten und eher als Geldmacherei anzusehen...)

Punkt 8 - Absaugen
Soweit es keine medizinische Indikation dafür gibt, sollte auf das Absaugen des Mund- und Rachenraums meines Babys verzichtet werden.
Kommentar: Ein gesundes, angenabeltes Baby, das aus klarem Fruchtwasser kommt muß nicht abgesaugt werden, das ist in diesem Fall nur ein unnötiger Streßfaktor, der sich ungünstig auf eine sanfte Anpassung auswirken würde. Es kann sich die Atemwege selbst frei niesen.

Punkt 9 - Direkt auf den Bauch
Ich möchte mein Baby sofort auf den Bauch gelegt bekommen.

Punkt 10 - Keine Trennung
Mindestens in der ersten Stunde möchte ich nicht unnötig von meinem Baby getrennt werden. Soweit möglich möchten wir in dieser Stunde unser Baby in Ruhe begrüßen können, ohne Störungen durch Fremde oder unnötige Untersuchungen.
Kommentar zu 9 und 10: Willkommen Baby! Der erste Körperkontakt, die erste Willkommensstunde mit dem Baby ist so enorm wichtig, so prägend, so zauberhaft und unvergesslich! Lasst Euch diesen Augenblick nicht nehmen. In der ersten Stunde wird das Baby unglaublich wach und aufmerksam sein und Euch ganz eingehend und intensiv beobachten. Wenn dann dauernd irgendwelche Fremden dazwischen fummeln oder mit ihm herumrennen, dann ist das enorm stressig für die neue kleine Familie.

Punkt 11 - Anlegen sobald es möglich ist

Innerhalb dieser ersten Stunde möchte ich mein Baby anlegen und hoffe auf Unterstützung seitens der Hebamme.
Kommentar: Dieses erste Anlegen wird Eure Stillbeziehung prägen - und es führt dazu, daß der Körper Oxitozin ausschüttet. Dadurch wird die Gebärmutter zusammen gezogen (Nachwehen), und die Plazenta kann sich leichter lösen und geboren werden. Die Plazenta sieht übrigens toll aus, wie ein Baum mit den vielen Gefäßen. Und sie ist seidig weich. Sie war neun Monate das das Zuhause Eures Babys, wenn Ihr mögt, fasst sie an und betrachtet sie.

Punkt 12 - Kein Bad
Sofern es nicht zwingend nötig ist, möchten wir auf das Babybad verzichten.
Kommentar: Es reicht, das Baby abzutrocknen, von Fruchtwasser und Mekonium (Kindspech) zu befreien und die Käseschmiere (Vernix Caseosa) zu erhalten. Sie wird in den nächsten Tagen einziehen wie eine Hautcreme und Babys Haut gut tun. Wenn es gebadet wird, dann riecht es auch nicht mehr soooo gut Dieser Geruch ist so einzigartig, so wunderbar, Ihr habt noch nie etwas schöneres gerochen. Malte haben wir erst drei Tage nach der Geburt gebadet. Ich kann mich noch heute an seinen Geruch erinnern, und bei Ben fand ich es dann etwas schade, daß er durch die Wassergeburt nicht ganz so intensiv roch.

Punkt 13 - Keine Silbernitrattropfen!
Sofern keine zwingende medizinische Indikation vorliegt, lehnen wir die Gabe von Silbernitrattropfen ab.
Kommentar: Diese Tropfen werden häufig immer noch aus reiner Routine in Babys Augen getropft. Sie sollen Schäden an den Augen durch Chlamydien oder andere Erreger vermeiden. Diese Tropfen könnt Ihr aber gerne mal selber ausprobieren: Sie brennen wie Feuer! Sollte es wirklich nötig sein, weil die Mutter nachweislich irgendwelche Erreger hatte (Abstrich machen lassen), kann man auch auf antibiotische Augentropfen zurück greifen, die ich in diesem Falle bevorzugen würde.

Punkt 14 - Vitamin K nach Absprache
Vor der Gabe von Vitamin K möchten wir darüber informiert werden.
Kommentar: Vitamin K wird zur Unterstützung der Blutgerinnung gegeben. Wenn das Köpfchen lange im Geburtskanal war, oder mit Saugglocke oder Zange nachgeholfen werden mußte, ist die Gabe sicher sinnvoll. Es soll inneren Blutungen und Gehirnblutungen entgegen wirken. Ich kann Euch auch keine Nebenwirkungen von Vitamin K nennen, so gesehen kann man es also ruhig geben lassen. Es wird oral gegeben, nicht gespritzt! Wir haben uns jeweils nach den Geburten gegen die Vitamin-K-Gabe entschieden. Bei beiden Kindern waren die Köpfchen nicht verformt, außerdem waren beide keine zarten Kinder. Ich weigere mich zu glauben, daß die Natur es so eingerichtet hat, daß eine Mutter Ihr Kind nicht alleine versorgen kann. Im Kolostrum, der Vormilch, ist Vitamin-K in kleinen Mengen vorhanden. Die Schulmedizin spricht von einem Vitamin-K-Mangel bzw einer Vitamin-K-Unterversorgung in den ersten Lebenstagen. Ich glaube, daß es einen Grund dafür geben muß, daß die Natur nur kleine Mengen für das Neugeborene vorgesehen hat. Erklären kann ich es aber nicht.

Im Wochenbett

Punkt 15 - Rooming in

Unser Baby soll 24h bei mir bleiben und nur wenn es nötig ist nach Möglichkeit immer von derselben Kinderschwester genommen werden, bevorzugt aber möglichst nur von meinem Partner.
Kommentar: Wenn Ihr Euch die Geburtsklinik anseht, wäre es vielleicht interessant zu wissen, ob das angepriesene 24h-Rooming-in auch eingehalten wird. Vielleicht sprecht Ihr mal eine Wöchnerin an und fragt mal nach. Häufig ist es nämlich dann so, daß die Babys dann doch von den Kinderschwestern geholt werden. Ich hätte es nicht mal ertragen, Malte in ein anderes Bett zu legen, ich wollte ihn in den ersten Tagen nicht loslassen. Ich hab ihn eigentlich die ganze Zeit im Arm gehabt, ihn abgeschnuppert und bestaunt, und nur Alex hat ihn nehmen dürfen, wenn ich auf die Toilette oder duschen wollte. Im Krankenhaus ist es in dem Fall hilfreich, ein Gitter auf einer Seite des Bettes zu haben, damit das Baby nicht rauskullern kann. Ich würde auch darauf achten, daß das Baby mit so wenig wie möglich anderen Leuten Kontakt hat. Krankenhäuser sind Bazillenschleudern, und an Eurer Stelle würde ich es allerschnellstens verlassen, um dem Baby nur noch der Euch vertrauten Umgebung auszusetzen. Gegen alles was die Mutter kennt, hat es bereits Antikörper entwickelt.
In der Klinik wird er aber mit Millionen anderer Erreger konfrontiert. Nirgendwo ist er sicherer als bei Euch zu Hause.


Punkt 16 - Besuch nach Absprache
Sollte überraschend Besuch kommen, möchten wir erst gefragt werden, ob wir ihn in diesem Moment empfangen möchten.
Kommentar: Ich weiß nicht, wie Eure Verwandtschaft drauf ist, aber wir haben uns unsere in den ersten Tagen erfolgreich vom Hals gehalten. Meine Mama kam mal kurz gucken, und ein paar Tage später Alex Eltern. Keiner hat Malte nehmen dürfen. Überraschender unangekündigter Besuch wurde wieder nach Hause geschickt. Die ersten Tage gehören Euch alleine, und die Ruhe ist wichtig fürs Ankommen.

Punkt 17 - Kein Zufüttern
Wir wünschen ausdrücklich keine Zufütterung in jedweder Form!
Kommentar: Auch das ist heute leider noch keine Selbstverständlichkeit. In den Tagen vor dem Milcheinschuß hat die Mutter sehr fettes und nahrhaftes Kolostrum - die Vormilch. Mehr als ein Schnapsglas voll braucht das Baby nicht, damit es ihm gut geht. Laßt Euch also nicht einreden, die Mutter hätte zu wenig Milch, und es müsse zugefüttert oder Flüssigkeit zugeführt werden. Weder Ersatzmilch noch irgendein Tee oder Wasser machen Sinn - das könnte alles nur zu einer Saugverwirrung führen.

Punkt 18 - Kein überflüssiges Messen der Körpertemperatur

Kommentar: Aus einem mir unbekannten Grund ist es in einigen Kliniken Usus, bei den Babies täglich die Temperatur zu messen.

Punkt 19 - UV-Bestrahlung bei Neugeborenengelbsucht
Die Bestrahlung sollte ausschließlich bei medizinischer Indikation durchgeführt werden, und auch dann nur auf dem Bauch der Mutter, nicht im Bettchen.
Kommentar: Die Kinder müssen unter die Sonnenbank, wenn die Bilirubinwerte zu hoch sind. Meist ist es aber gar nicht notwendig, die meisten Babys sind nach der Geburt etwas gelb, und es reicht, wenn man sie möglichst häufig natürlichem Licht, bevorzugt Sonnenlicht, aussetzt. Leider wird die Bestrahlung auch hier zu häufig zu schnell eingesetzt, und das ist für das Baby ziemlich unspaßig - es liegt allein nackt mit verbundenen Augen in einem Wärmebettchen und erhält UV-Bestrahlung. Heute ist es bereits möglich, daß die Mutter Ihr Baby auf dem Bauch behält, was absolut zu bevorzugen wäre. Das Baby einer Bekannten hat diese Behandlung mit einem halben Jahr Schreibabyzeit quittiert - das Baby hat während der Bestrahlung angefangen zu weinen, und danach nur noch zum Schlafen und stillen aufgehört...

Punkt 20 - Keine Vitamin-D- oder Fluorid-Gabe
Kommentar: Ich bin kein Freund von Massenmedikamentionen, und gerade was Fluorid und Vitamin D angeht (das in größeren Mengen giftig ist!), bin ich besonders skeptisch. Jedes Kind bekommt die gleiche Dosis, auch wenn nicht bekannt ist, ob es nicht schon von Haus aus härtere Knochen hat. Geht viel mit dem Baby spazieren, setzt es natürlichem Licht, bevorzugt der Sonne aus, dann bildet sich von selbst soviel Vitamin D, wie es braucht. Vitamin D hilft den Knochen beim Wachstum, das Gleiche gilt für Fluoride. Es soll Rachitis vorbeugen. Wenn sich aber zuviel in den Knochen fest setzt, kann es zu Brüchigkeit der Knochen führen, die Kinder leiden früher unter Knochenbrüchen, weil diese nicht mehr so elastisch sind, und manchmal wächst dadurch sogar die Fontanelle zu schnell zu.
Viel wichtiger als eine überstürzte, durch nichts gestützte Gabe solcher Mittel ist der regelmäßige Gang zum Kinderarzt, der individuell beobachten kann, ob eine Vitamin-D-Gabe angezeigt ist, und der dann im Einzelfall entscheiden kann. Weder Malte noch Ben haben jemals Vitamin-D oder Fluorid bekommen.


Männer fragen in Geburtsvorbereitungskursen häufig, wie sie ihrer Frau unter der Geburt helfen können. Ich denke, die wichtigste Aufgabe liegt darin, der Frau den Rücken frei zu halten, ihre Interessen zu vertreten, wenn sie selber nicht mehr in der Lage dazu ist - und um ein gutes Team zu bilden, ist es gut, wenn Ihr anhand so einer Checkliste vorher darüber sprecht, was Euch, vor allem der Frau, wichtig sein wird.

Ihr habt weitere Anregungen für die Checkliste oder wollt sie kommentieren?
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28.04.03