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Checkliste
im Falle einer Verlegung in die Klinik
oder einer geplanten Klinikgeburt
Richtlinien für das Klinikpersonal
Wer sicher gehen möchte, daß auch im Falle einer Verlegung
in die Klinik oder auch bei einer geplanten Klinikgeburt nach Möglichkeit
die persönlichen Interessen berücksichtigt werden, sollte
sich vorher informieren, welche Standards in der Klinik gelten, und
man sollte festlegen, ob diese alle auch erwünscht sind, oder ob
man davon in bestimmten Fällen abweichen möchte.
Hier habe ich eine Checkliste zusammen gestellt, wie sie aussehen könnte.
Ich möchte aber bitten, eines zu bedenken:
Die Hebammen und Ärzte in der Klinik sind natürlich keine Feinde. Beim
Lesen der Checkliste könnte sich der Gedanke aufdrängen, daß man ständig
auf der Hut sein muß, daß das Personal nichts "falsch" macht.
Natürlich sind Hebammen und Ärzte mit Sicherheit routiniert und würden
bewußt nichts tun, was der Gebärenden oder dem Baby schaden würde.
Es ist aber auch so, daß das Klinikpersonal auch den Klinikroutinen
unterworfen ist, daß es immer sein Ziel sein wird, eine Geburt voran
zu treiben, daß es möglich ist, daß die Hebamme zuwenig Zeit und Aufmerksamkeit
übrig hat, daß mehrere Gebärende auf einmal betreut werden müssen,
und daß Maßnahmen zur Beschleunigung oder Verlangsamung der Geburt vorgenommen
werden, ohne daß die Gebärende gefragt wird, oder ohne daß bewußt
gemacht wird, was das für Mutter oder Baby bedeuten kann.
Zu jedem Punkt habe ich kommentiert, warum ich ihn auf meine Checkliste
gesetzt habe.
Jeder muß für sich selbst entscheiden, ob er den Punkt dann
beibehält, ändert oder streicht. Ich habe nur alles, was mir an
Standard-Maßnahmen bekannt ist aufgeführt.
Es ist ganz sicher ratsam, die Checkliste mit der leitenden Hebamme
und dem Stationsarzt durchzusprechen, wenn man sich in der Klinik vorstellt.
Im Gespräch wird man gleich merken, ob man individuellen Wünschen entgegen
kommt und Verständnis dafür hat, oder ob das Personal eher ablehnend
reagiert, oder gar beleidigt ist. Das wiederum ist natürlich auch eine
Frage der Diplomatie. Wenn man gleich ankommt, mit der Liste wedelt
und drohend guckt, kann das natürlich ziemlich schnell nach hinten los
gehen...
Die Liste würde ich dann zur Sprache bringen, wenn man sich vom Bauch
her bereits entschieden hat, in dieser Klinik gebären zu wollen.
(Ich mag das Wort "Entbindung" nicht, frau "wird nicht entbunden" und
ist dabei passiv - sie ist aktiv, sie gebärt ihr Kind...)
Im günstigsten Fall trefft man ohnehin auf eine hebammengeleitete Station,
die Wert auf den Weg der sanften Geburt legt und und sich bemüht, ganz
auf die Bedürfnisse einer Gebärenden einzugehen, und diese nicht als
Nummer zu sehen.
Diesen Hebammen ist es dann auch nur recht, wenn die Frauen wissen,
was sie wollen, und um was es in bestimmten Situationen geht. Die
Leitlinien
der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin und
der Dt. Ges. f. Gynäkologie und Geburtshilfe stützen die
Liste in einigen Punkten, es kann daher sehr hilfreich für die Argumentation
sein, diese Leitlinien dabei zu haben.
Checkliste (hier
ohne Kommentare downloaden als *.pdf)
Unter der Geburt
Punkt 1 - wehenbeschleunigende oder wehenhemmende Maßnahmen
Solange keine medizinische Indikation besteht, möchte ich keine medikamentösen
oder manuellen wehenfördernden Mittel, ebenso möchte ich auf wehenhemmende
Maßnahmen verzichten. Sollten Maßnahmen notwendig werden, bevorzuge
ich sanfte Möglichkeiten wie Homöopathie, Akupunktur oder Aromatherapie.
Kommentar: Manchmal gibt es unter
der Geburt einen Punkt, an dem es scheinbar erst mal nicht mehr weiter
geht. Der Muttermund ist halb oder dreiviertel geöffnet, und dann gehen
die Wehen weg, oder sind nicht mehr richtig effektiv. Das ist im Krankenhaus
nicht selten ein Grund, ein wehenbeschleunigendes Mittel zu geben, damit
die Wehen wieder in Gang kommen und der Muttermund weiter auf geht.
Solange es dem Baby aber gut geht, sein Herzschlag in Ordnung ist, und
es keine Hinweise darauf gibt, daß es in Gefahr ist, ist eine wehenverstärkende
Maßnahme nicht unbedingt notwendig.
Es kann sein, daß die Gebärende unbewußt selber die Wehen "zurückschraubt".
Vielleicht, weil etwas an der Situation ihr nicht behagt. Die Natur
hat es so eingerichtet, daß eine Frau die Geburt kurzzeitig unterbrechen
kann, um sich einen Platz zum Gebären zu suchen, der ihr sicherer erscheint.
Vielleicht gibt es also jemanden im Umfeld, der sich störend auf die
Geburt auswirkt. In dem Fall kann es sinnvoll sein, sich zu sammeln,
alle nicht unmittelbar Beteiligten aus dem Gebärzimmer zu bitten, und
einige Zeit zu warten, ob die Geburt nicht selber wieder in Gang kommt.
Vielleicht hat aber auch gerade ein Schichtwechsel statt gefunden, und
die Gebärende ist mit der neuen Hebamme noch nicht ganz warm. In
jedem Fall sollte man sich erst mal ein bisschen Ruhe und Platz schaffen
- solange es dem Baby und der Frau gesundheitlich gut geht, gibt es
keinen Grund für ein künstlich erhöhtes Aktionstempo. Die Frau wird
selbst am Besten wissen, was für sie und ihr Kind gut ist.
Ab und an wird auch der Muttermund durch die Hebamme künstlich geweitet.
Das ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern auch nicht ganz ungefährlich.
Bei allen wehenfördernden Maßnahmen gehen die Wehen in der Regel so
plötzlich und heftig weiter, daß die Gebärende sich mental kaum darauf
einstellen kann. Hinzu kommt, daß auch das Baby eventuell mit dem plötzlichen
Streß mit bedenklich erhöhtem Herzschlag reagieren kann. Das wiederum
hat zur Folge, daß die künstlich herbei geführten Wehen wieder von einem
Wehenhemmer unterdrückt werden, damit das Baby sich wieder beruhigen
kann. So kann es dann bis zum Ende der Geburt weiter gehen, Wehen fördern,
Wehen blocken... das ist weder spaßig noch gesund, leider aber nicht
selten. Solange es also keine medizinischen, gesundheitlichen Gründe
gibt, die Geburt schnell voran zu treiben, sollten Mutter und Kind sich
alle Zeit nehmen, die sie brauchen.
Und wenn es nötig werden sollte, kann man auch erst mal mit sanften
Mitteln, wie Homöopathie, Akupunktur oder Aromatherapie versuchen, die
Wehen wieder anzuschieben.
Punkt 2 - Freie
Wahl der Geburtsposition
Solange es keine medizinischen Einwände gibt, möchte ich mich jederzeit
frei bewegen können, notfalls mit einem mobilen CTG-Gerät.
Kommentar: Heute ist es
in fast allen Kliniken üblich, daß die Frau sich frei bewegen kann,
solange medizinisch nichts dagegen spricht. Viele Jahre war es leider
üblich, die Gebärenden in eine Rückenposition zu bringen. Das hatte
nur einen einzigen Grund: Ärzte und Hebammen kamen besser an die Gebärende
heran. Die Rückenlage sollte aber nur eingenommen werden, wenn es der
Frau danach ist. Wenn ein CTG in Rückenlage geschrieben wird, kann es
sein, daß die Herztöne des Babys schlechter werden, weil in dieser Lage
nicht selten die Versorgung des Babys abgeschnürt wird. Beim CTG sollte
man also möglichst auf der Seite liegen oder aufrecht sitzen. Man sollte
meinen, daß dies inzwischen auch in allen Kliniken angekommen sein sollte.
In Geburtsberichten aus diversen Schwangerschaftsforen lese ich aber
leider immer wieder, dass dies nicht so zu sein scheint. Deshalb ist
es vielleicht gut, das nochmal zu erwähnen.
Punkt 3 - Kein Publikum
Außer meinem Mann, meiner Hebamme, und falls es notwendig sein sollte,
meinem Arzt sollen sich keine weiteren Personen im Gebärzimmer aufhalten.
Ich stelle mich nicht als Testperson für AIPler oder Hebammenschülerinnen
zur Verfügung.
Kommentar: Natürlich müssen
auch Ärzte und Hebammen ausgebildet werden. Aber so eine Geburt ist
etwas unendlich privates, es gibt kaum etwas intimeres. Manche Frauen
haben deshalb berechtigt Probleme sich fallen zu lassen, wenn sich dauernd
Publikum mit im Raum aufhält, es vielleicht sogar wechselt. Es ist schwer
genug, sich bei Schichtwechsel auf eine neue Hebamme einzustellen.
Punkt 4 - Gedämpftes Licht und wohlige Wärme
Spätestens in der Austreibungsphase sollte das Licht im Geburtszimmer
gedämpft werden. Das Gebärzimmer sollte angenehm beheizt sein.
Kommentar: Inzwischen
sollte auch das in allen Kliniken angekommen sein, aber erwähnenswert
ist es immer wieder: Wenn das Baby aus seiner dunklen warmen Höhle kommt,
ist es sicher ganz nett, wenn es nicht gleich von einem grellen OP-Licht
in einem kalten Kreißsaal begrüßt wird.
Punkt 5 - Dammriss statt Dammschnitt (Episiotomie)
Falls es keine medizinische Indikation dafür gibt, möchte ich auf einen
Dammschnitt verzichten. Kommentar:
Inzwischen werden immer öfter Kaiserschnitte nach Misgav Ladach vorgenommen,
sogenannte "sanfte" Kaiserschnitte, bei denen nur die obere Hautschicht
am Bauch geschnitten, das Gewebe darunter aber gerissen wird. Das hat
einen ganz einfachen Grund: Das Gewebe bricht wie an einer Sollbruchstelle,
sucht sich den leichtesten Weg, es werden viel weniger Gefäße zertrennt,
als bei einem Schnitt. Außerdem hat sich gezeigt, daß Riss-Narben wie
Reissverschlüsse sind, man kann sie besser wieder zusammenfügen, sie
heilen schneller, sind weniger schmerzhaft, die Mutter ist viel schneller
wieder auf den Beinen. Das ist inzwischen bekannt, und deshalb wird
nun immer öfter dieser sanfte Kaiserschnitt durchgeführt.
Natürlich verhält es sich bei einem Dammschnitt ganz genauso - ein Riss
sucht sich seinen eigenen Weg, muß häufig nicht mal versorgt werden,
heilt viel besser und ist weniger schmerzhaft - trotzdem gibt es in
einigen Kliniken immer noch horrende Dammschnittquoten "weil es schon
immer so gemacht wurde". Und in vielen Kliniken sind die Dammschnittquoten
auch geschönt. Deshalb sollte man nochmal explizit darauf hinweisen,
daß man einen Riss bevorzugt.
Und falls Euch jemand einen teuren Epi-No Dammtrainer aufschwatzen will,
verweist ihn an Ökotest
Nach der Geburt
Punkt 6 - Auspulsieren der Nabelschnur
Solange es keine medizinische Indikation dafür gibt, sollte die Nabelschnur
meines Babys erst nach dem Auspulsieren abgeklemmt werden.
Kommentar: Das Auspulsieren
lassen der Nabelschnur erleichtert dem Baby den Übergang zur eigenen
Atmung, es hat Zeit, denn es wird noch über die Plazenta der Mutter
mit versorgt, kann sich langsam anpassen, muß seinen ersten Atemzug
nicht hektisch tun.
Ein interessanter Aspekt ist sicher auch im Kommentar zu diesem Artikel
von Alice B. Stockham von 1883 angeführt: "(mit dem Auspulsieren-lassen
der Nabelschnur dürfte Stockham vielen "ihrer" kleinen Kinder späteres
Asthma erspart haben, das auf die brutale, zu frühe Abtrennung der Nabelschnur
zurückzuführen ist., M.W.)"
Zitat aus einem interessanten Asthma-Artikel (Quelle folgt):
"Neben diesem Faktor, hat Streß während der Geburt (Wehenauslösung,
Narkose) sowie die Dauer des Geburtsvorgangs und hier insbesondere Kaierschnitt
sowie die vorzeitige Durchtrennung der Nabelschnur einen Einfluß auf
die allergische Disposition eines Kindes. Forschungsergebnisse zeigen,
daß allergiekorrelierte IgE nicht plazentagängig sind, folglich im Fötus
selbst entstanden sein müssen. Für ihre Gegenspieler, die IgG ist die
Plazentaschranke allerdings passierbar.
Läßt man nun der Nabelschnur Zeit, sich auszupulsen, können möglichst
viele IgG in den kindlichen Kreislauf gebracht werden. Kinder, die bereits
zur Geburt einen erhöhten IgE-Spiegel aufweisen, erkranken, wie sich
gezeigt hat, später verstärkt an atopischen Erkrankungen. Interessant
ist, daß im heutigen China "einige Ärzte Plazentaextrakt in die Punkte
Lu 6 , M 40 und V23" injizieren, um allergisches Asthma zu behandeln."
Punkt 7 - Ein Stück Nabelschnur
Ich möchte ein Stück der Nabelschnur mitnehmen, bitte schneiden Sie
ein Stück ab und geben Sie es in einer geeigneten Verpackung (Folie)
meinem Partner mit.
Kommentar: Dieser Punkt
hat keinen medizinischen Hintergrund. Ich hatte einfach den Wunsch ein
Stück von der letzten physischen Verbindung zu meinen Kindern behalten
zu wollen, habe beide Stücke zu Hause auf einen Teller zusammen gerollt
wie eine Schnecke und sie 2x täglich gewendet. Bei Ben haben wir leider
den Fehler gemacht, den Teller auf die Heizung zu stellen, die Nabelschnur
trocknete zu schnell und blieb dadurch sehr flach. Ich möchte die beiden
Stücke zu einem Schmuckstück fassen lassen. (Übrigens: Die Entnahme
und Lagerung von Nabelschnurblut ist zum heutigen Stand höchst umstritten
und eher als Geldmacherei anzusehen...)
Punkt 8 - Absaugen
Soweit es keine medizinische Indikation dafür gibt, sollte auf das Absaugen
des Mund- und Rachenraums meines Babys verzichtet werden.
Kommentar: Ein gesundes,
angenabeltes Baby, das aus klarem Fruchtwasser kommt muß nicht abgesaugt
werden, das ist in diesem Fall nur ein unnötiger Streßfaktor, der sich
ungünstig auf eine sanfte Anpassung auswirken würde. Es kann sich die
Atemwege selbst frei niesen.
Punkt 9 - Direkt auf den Bauch
Ich möchte mein Baby sofort auf den Bauch gelegt bekommen.
Punkt 10 - Keine Trennung
Mindestens in der ersten Stunde möchte ich nicht unnötig von meinem
Baby getrennt werden. Soweit möglich möchten wir in dieser Stunde unser
Baby in Ruhe begrüßen können, ohne Störungen durch Fremde oder unnötige
Untersuchungen.
Kommentar zu 9 und 10:
Willkommen Baby! Der erste Körperkontakt, die erste Willkommensstunde
mit dem Baby ist so enorm wichtig, so prägend, so zauberhaft und unvergesslich!
Lasst Euch diesen Augenblick nicht nehmen. In der ersten Stunde wird
das Baby unglaublich wach und aufmerksam sein und Euch ganz eingehend
und intensiv beobachten. Wenn dann dauernd irgendwelche Fremden dazwischen
fummeln oder mit ihm herumrennen, dann ist das enorm stressig für die
neue kleine Familie.
Punkt 11 - Anlegen sobald es möglich ist
Innerhalb dieser ersten Stunde möchte ich mein Baby anlegen und hoffe
auf Unterstützung seitens der Hebamme.
Kommentar: Dieses erste Anlegen
wird Eure Stillbeziehung prägen - und es führt dazu, daß der Körper
Oxitozin ausschüttet. Dadurch wird die Gebärmutter zusammen gezogen
(Nachwehen), und die Plazenta kann sich leichter lösen und geboren werden.
Die Plazenta sieht übrigens toll aus, wie ein Baum mit den vielen Gefäßen.
Und sie ist seidig weich. Sie war neun Monate das das Zuhause Eures
Babys, wenn Ihr mögt, fasst sie an und betrachtet sie.
Punkt 12 - Kein Bad
Sofern es nicht zwingend nötig ist, möchten wir auf das Babybad verzichten.
Kommentar: Es reicht, das Baby
abzutrocknen, von Fruchtwasser und Mekonium (Kindspech) zu befreien
und die Käseschmiere (Vernix Caseosa) zu erhalten. Sie wird in den nächsten
Tagen einziehen wie eine Hautcreme und Babys Haut gut tun. Wenn es gebadet
wird, dann riecht es auch nicht mehr soooo gut Dieser Geruch ist so
einzigartig, so wunderbar, Ihr habt noch nie etwas schöneres gerochen.
Malte haben wir erst drei Tage nach der Geburt gebadet. Ich kann mich
noch heute an seinen Geruch erinnern, und bei Ben fand ich es dann etwas
schade, daß er durch die Wassergeburt nicht ganz so intensiv roch.
Punkt 13 - Keine Silbernitrattropfen!
Sofern keine zwingende medizinische Indikation vorliegt, lehnen wir
die Gabe von Silbernitrattropfen ab.
Kommentar: Diese Tropfen
werden häufig immer noch aus reiner Routine in Babys Augen getropft.
Sie sollen Schäden an den Augen durch Chlamydien oder andere Erreger
vermeiden. Diese Tropfen könnt Ihr aber gerne mal selber ausprobieren:
Sie brennen wie Feuer! Sollte es wirklich nötig sein, weil die Mutter
nachweislich irgendwelche Erreger hatte (Abstrich machen lassen), kann
man auch auf antibiotische Augentropfen zurück greifen, die ich in diesem
Falle bevorzugen würde.
Punkt 14 - Vitamin K nach Absprache
Vor der Gabe von Vitamin K möchten wir darüber informiert werden.
Kommentar: Vitamin K wird
zur Unterstützung der Blutgerinnung gegeben. Wenn das Köpfchen lange
im Geburtskanal war, oder mit Saugglocke oder Zange nachgeholfen werden
mußte, ist die Gabe sicher sinnvoll. Es soll inneren Blutungen und Gehirnblutungen
entgegen wirken. Ich kann Euch auch keine Nebenwirkungen von Vitamin
K nennen, so gesehen kann man es also ruhig geben lassen. Es wird oral
gegeben, nicht gespritzt! Wir haben uns jeweils nach den Geburten gegen
die Vitamin-K-Gabe entschieden. Bei beiden Kindern waren die Köpfchen
nicht verformt, außerdem waren beide keine zarten Kinder. Ich weigere
mich zu glauben, daß die Natur es so eingerichtet hat, daß eine Mutter
Ihr Kind nicht alleine versorgen kann. Im Kolostrum, der Vormilch, ist
Vitamin-K in kleinen Mengen vorhanden. Die Schulmedizin spricht von
einem Vitamin-K-Mangel bzw einer Vitamin-K-Unterversorgung in den ersten
Lebenstagen. Ich glaube, daß es einen Grund dafür geben muß, daß die
Natur nur kleine Mengen für das Neugeborene vorgesehen hat. Erklären
kann ich es aber nicht.
Im Wochenbett
Punkt 15 - Rooming in
Unser Baby soll 24h bei mir bleiben und nur wenn es nötig ist nach Möglichkeit
immer von derselben Kinderschwester genommen werden, bevorzugt aber
möglichst nur von meinem Partner.
Kommentar: Wenn Ihr Euch
die Geburtsklinik anseht, wäre es vielleicht interessant zu wissen,
ob das angepriesene 24h-Rooming-in auch eingehalten wird. Vielleicht
sprecht Ihr mal eine Wöchnerin an und fragt mal nach. Häufig ist es
nämlich dann so, daß die Babys dann doch von den Kinderschwestern geholt
werden. Ich hätte es nicht mal ertragen, Malte in ein anderes Bett zu
legen, ich wollte ihn in den ersten Tagen nicht loslassen. Ich hab ihn
eigentlich die ganze Zeit im Arm gehabt, ihn abgeschnuppert und bestaunt,
und nur Alex hat ihn nehmen dürfen, wenn ich auf die Toilette oder duschen
wollte. Im Krankenhaus ist es in dem Fall hilfreich, ein Gitter auf
einer Seite des Bettes zu haben, damit das Baby nicht rauskullern kann.
Ich würde auch darauf achten, daß das Baby mit so wenig wie möglich
anderen Leuten Kontakt hat. Krankenhäuser sind Bazillenschleudern, und
an Eurer Stelle würde ich es allerschnellstens verlassen, um dem Baby
nur noch der Euch vertrauten Umgebung auszusetzen. Gegen alles was die
Mutter kennt, hat es bereits Antikörper entwickelt.
In der Klinik wird er aber mit Millionen anderer Erreger konfrontiert.
Nirgendwo ist er sicherer als bei Euch zu Hause.
Punkt 16 - Besuch nach Absprache
Sollte überraschend Besuch kommen, möchten wir erst gefragt werden,
ob wir ihn in diesem Moment empfangen möchten.
Kommentar: Ich weiß nicht, wie
Eure Verwandtschaft drauf ist, aber wir haben uns unsere in den ersten
Tagen erfolgreich vom Hals gehalten. Meine Mama kam mal kurz gucken,
und ein paar Tage später Alex Eltern. Keiner hat Malte nehmen dürfen.
Überraschender unangekündigter Besuch wurde wieder nach Hause geschickt.
Die ersten Tage gehören Euch alleine, und die Ruhe ist wichtig fürs
Ankommen.
Punkt 17 - Kein Zufüttern
Wir wünschen ausdrücklich keine Zufütterung in jedweder Form!
Kommentar: Auch das ist
heute leider noch keine Selbstverständlichkeit. In den Tagen vor dem
Milcheinschuß hat die Mutter sehr fettes und nahrhaftes Kolostrum -
die Vormilch. Mehr als ein Schnapsglas voll braucht das Baby nicht,
damit es ihm gut geht. Laßt Euch also nicht einreden, die Mutter hätte
zu wenig Milch, und es müsse zugefüttert oder Flüssigkeit zugeführt
werden. Weder Ersatzmilch noch irgendein Tee oder Wasser machen Sinn
- das könnte alles nur zu einer Saugverwirrung führen.
Punkt 18 - Kein überflüssiges Messen der Körpertemperatur
Kommentar: Aus einem mir
unbekannten Grund ist es in einigen Kliniken Usus, bei den Babies täglich
die Temperatur zu messen.
Punkt 19 - UV-Bestrahlung bei Neugeborenengelbsucht
Die Bestrahlung sollte ausschließlich bei medizinischer Indikation durchgeführt
werden, und auch dann nur auf dem Bauch der Mutter, nicht im Bettchen.
Kommentar: Die Kinder müssen
unter die Sonnenbank, wenn die Bilirubinwerte zu hoch sind. Meist ist
es aber gar nicht notwendig, die meisten Babys sind nach der Geburt
etwas gelb, und es reicht, wenn man sie möglichst häufig natürlichem
Licht, bevorzugt Sonnenlicht, aussetzt. Leider wird die Bestrahlung
auch hier zu häufig zu schnell eingesetzt, und das ist für das Baby
ziemlich unspaßig - es liegt allein nackt mit verbundenen Augen in einem
Wärmebettchen und erhält UV-Bestrahlung. Heute ist es bereits möglich,
daß die Mutter Ihr Baby auf dem Bauch behält, was absolut zu bevorzugen
wäre. Das Baby einer Bekannten hat diese Behandlung mit einem halben
Jahr Schreibabyzeit quittiert - das Baby hat während der Bestrahlung
angefangen zu weinen, und danach nur noch zum Schlafen und stillen aufgehört...
Punkt 20 - Keine Vitamin-D- oder Fluorid-Gabe
Kommentar: Ich bin kein
Freund von Massenmedikamentionen, und gerade was Fluorid und Vitamin
D angeht (das in größeren Mengen giftig ist!), bin ich besonders skeptisch.
Jedes Kind bekommt die gleiche Dosis, auch wenn nicht bekannt ist, ob
es nicht schon von Haus aus härtere Knochen hat. Geht viel mit dem Baby
spazieren, setzt es natürlichem Licht, bevorzugt der Sonne aus, dann
bildet sich von selbst soviel Vitamin D, wie es braucht. Vitamin D hilft
den Knochen beim Wachstum, das Gleiche gilt für Fluoride. Es soll Rachitis
vorbeugen. Wenn sich aber zuviel in den Knochen fest setzt, kann es
zu Brüchigkeit der Knochen führen, die Kinder leiden früher unter Knochenbrüchen,
weil diese nicht mehr so elastisch sind, und manchmal wächst dadurch
sogar die Fontanelle zu schnell zu.
Viel wichtiger als eine überstürzte, durch nichts gestützte Gabe solcher
Mittel ist der regelmäßige Gang zum Kinderarzt, der individuell beobachten
kann, ob eine Vitamin-D-Gabe angezeigt ist, und der dann im Einzelfall
entscheiden kann. Weder Malte noch Ben haben jemals Vitamin-D oder Fluorid
bekommen.
Männer fragen in Geburtsvorbereitungskursen häufig, wie sie ihrer
Frau unter der Geburt helfen können. Ich denke, die wichtigste Aufgabe
liegt darin, der Frau den Rücken frei zu halten, ihre Interessen zu
vertreten, wenn sie selber nicht mehr in der Lage dazu ist - und um
ein gutes Team zu bilden, ist es gut, wenn Ihr anhand so einer Checkliste
vorher darüber sprecht, was Euch, vor allem der Frau, wichtig sein wird.
Ihr habt weitere Anregungen für die Checkliste oder wollt sie kommentieren?
Dann schreibt es doch ins Forum.
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