| Gleichgesinnte
treffen Über Sinn und Unsinn von virtueller Geburtsvorbereitung Das Internet kann Fluch und Segen sein. Nie hatten "Normalsterbliche" es leichter, sich schnell und umfassend über ein bestimmtes Thema zu informieren, als heute. Die Informationsflut ist unendlich - und damit unüberschaubar. So wie es von großem Nutzen sein kann über bestimmte Dinge detailliert aufgeklärt zu sein, so kann es im Gegenzug auch ebenso schaden. Jeder Mensch geht mit Informationen anders um, was man daraus macht, ist jedem selbst überlassen. Was für den einen beruhigend wirkt, einfach weil er über alle Eventualitäten aufgeklärt und darauf vorbereitet ist, flößt einem anderen Angst ein, vielleicht auch, weil es ihm in einer wenig (selbst-) vertrauenerweckenden Art vermittelt wurde. Zum Thema Schwangerschaft und Geburt gibt es inzwischen unendlich viele Diskussionsforen und Informationsseiten. Die meisten sind professionell gestaltet und werden durch zielgruppenorientierte Werbung oder durch im Hintergrund agierende Pharmaunternehmen finanziert. Mit diesen Einnahmen werden Fachleute wie Kinderwunschexperten, Gynäkologen, Geburtshelfer, Kinderärzte, Mütterberater und andere Koryphäen bezahlt, die dem Foren-Publikum Rede und Antwort stehen sollen. Hier wird einer Frau schon mit dem ersten Blick auf die Startseiten suggeriert: Schwangerschaften und Geburten sind Arztsache - fragen Sie die Experten! Und wenn mal die eine oder andere Hebamme Rede und Antwort steht, wirkt sie unter all den Damen und Herren Doktoren wie Dekoration. Jedenfalls kommt man nicht spontan auf den Gedanken, daß eine Hebamme relevant für Schwangerschaft und Geburt sein könnte. Seit fast drei Jahren lese ich in diesen Foren, und ein trauriger Trend ist eindeutig zu verzeichnen: Statt die Frauen aufzubauen, ihnen Selbstbewußtsein und Sicherheit zu vermitteln, sie zu beruhigen und zu unterstützen, ihnen das Gefühl zu geben, daß sie es schaffen können, werden sie mit Fachbegriffen, Statistiken und den immer gleichen Tipps á la "Oh, das hört sich nicht gut an, gehen Sie lieber zu Ihrem Arzt, der kann Ihnen da was verschreiben!" verunsichert. Damit ist die Saat gelegt für die Diskussionen in den reinen Schwangerschaftsforen, in denen sich Frauen gegenseitig mit den schlimmsten Schwangerschaftsbeschwerden und -problemen zu toppen versuchen. Das kann nicht der richtige Weg in eine schöne und entspannte Schwangerschaft sein. Wer bei jedem Ziepen im Unterleib auf seine Frage, was das sein könnte eine Liste mit leichten bis tödlich verlaufenden Erkrankungen als Antwort bekommt, kann seine Schwangerschaft nicht mehr genießen. Deshalb habe ich im Anhang nur Seiten und Mailinglisten verlinkt, die privat von Betroffenen aufgebaut wurden, und bei denen ich mich selbst überzeugen könnte, daß der Ton freundlich und die Informationen aufbauend und fördernd sind. In einer Diskussion über Hausgeburten in einem der oben genannten Expertenforen äußerte sich ein Gynäkologe negativ über den "Hype der natürlichen Geburt & Hausgeburt" und die "auffällig positive und unkritische Berichterstattung". Er schrieb über die "vielen, nichtveröffentlichten Fälle" von abgebrochenen Haus- und Geburtshausgeburten und deren "geradezu katastrophale Verläufe". Ich fragte ihn daraufhin, warum es dann noch keine Geburtsberichte über solche Fälle im Netz gäbe, und ob er diese Fälle selbst miterlebt habe. Oder ob ihm Kollegen darüber berichtet hätten. Die sie wiederum von Kollegen gehört haben. Er ist mir bis heute eine Antwort schuldig geblieben... |
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