"Wenn Hebammen in kleineren und größeren Krankenhäusern arbeiten,
so liegt ihre Aufgabe laut WHO darin, Wahrerinnen der Normalität zu sein."
Bericht der WHO
Betreuung während einer normalen Geburt - ein praktischer Leitfaden

Wenn eine Frau darüber nachdenkt, wo sie ihr Kind gebären möchte und eine Hausgeburt
in Erwägung zieht, stößt sie nicht selten auf Unverständnis von allen Seiten:
Freunde, Familie, vielleicht sogar der Partner, und nicht zuletzt der Gynäkologe warnen
vor unberechenbaren Risiken und schütteln gar den Kopf über soviel "Verantwortungslosigkeit".
Abgesehen davon, daß sich eine Frau, die sich entschließt, zu Hause zu gebären, ganz sicher
ihrer Verantwortung bewußt ist, wird sie in ihrem Ansinnen auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt.
In dem umfassenden Bericht
"Care in a normal birth, a practical guide" werden etliche Studien
aus aller Welt zitiert, die unter anderem folgende Aussage haben:

Zitat
" [...]
Wo sollte eine Frau also entbinden? Es kann sicherlich gesagt werden, daß eine Frau an einem Ort entbinden sollte, der möglichst nahegelegen ist, an dem sie sich sicher fühlt und an dem die Geburt angemessen betreut und durchgeführt werden kann (FIGO 1992). Für Niedrig-Risiko-Schwangere kann dies das eigene zu Hause, ein Geburtshaus, eine kleine Entbindungsstation oder auch eine Abteilung eines größeren Krankenhauses sein. Es muß jedoch immer ein Ort sein, an dem alle Aufmerksamkeit auf ihre Bedürfnisse und ihre Sicherheit gerichtet ist und ihrem Zuhause und ihrer Kultur so nahe wie möglich steht. Wenn die Geburt zu Hause oder in einem Geburtshaus stattfinden soll, sollten Pläne für den Fall einer Verlegung in ein gut ausgestattetes Krankenhaus ein Teil der Vorbereitungen für die Geburt sein."


Laut diesem Bericht spricht also bei normal verlaufenden Schwangerschaften nichts gegen eine Geburt unter Hebammenbetreuung zu Hause oder im Geburtshaus. Dies ist eine Aussage einer international anerkannten Vereinigung, deren Empfehlungen in der ganzen Welt ernst genommen werden.
Am Ende des Berichtes gibt es eine Klassifizierung der Betreuungsmaßnahmen während einer normalen Geburt, aufgeteilt in
Praktiken, die erwiesenermaßen nützlich sind und deren Anwendung empfohlen wird,
Praktiken, die eindeutig schädigend oder ineffektiv sind und abgeschafft werden sollten,
Praktiken, für die es keine ausreichenden Belege gibt, um eine Empfehlung auszusprechen, die darum mit Vorsicht angewandt werden sollten, während weitere Forschung ihren Nutzen belegt, und
Praktiken, die häufig inadäquat angewandt werden.

Dieser Bericht gibt allen Frauen, die über eine Hausgeburt nachdenken, ausreichende, einleuchtende und schlagende Argumente in die Hand, die jedem Panikmacher den Wind aus den Segeln nehmen. Außerdem hilft der Bericht auch sehr zum Verständnis über normale Geburtsverläufe und über die Abläufe bei Klinikgeburten.
Die deutsche Übersetzung des Berichtes "Care in a normal birth, a practical guide" der WHO - World Health Organization, wurde herausgegeben von der EWIM - European Workgroup of Independant Midwives, Verlag Edition Phoenix Shanti/2000, unter dem Titel "Texte zur Maieutik" zum Preis von €5,- & Porto >>> Bestellmöglichkeit


Auszüge aus den Klassifizierungen:
Auszüge aus den Klassifizierungen
Praktiken, die erwiesenermaßen nützlich sind und deren Anwendung empfohlen wird
* Erstellung eines Geburtsplans, welcher festlegt, wo und von wem betreut die Geburt stattfinden soll. Dieses sollte während der Schwangerschaft geschehen, dem Partner - und wenn angebracht - auch der Familie bekannt sein

* Individuelle Risikoeinschätzung insbesondere beim Erstkontakt mit der Betreuungsperson, sowie regelmäßige Revision während jedem weiteren Kontakt in Schwangerschaft und Geburt

* Sicherstellung des physischen und emotionellen Wohlbefindens der Frau während Wehentätigkeit und Geburt und bis zum Abschluß des Geburtsvorgangs.

* Anbieten oraler Flüssigkeitsaufnahme während Wehentätigkeit und Geburt.

* Respektierung selbstbestimmter Wahl des Geburtsortes.

* Schaffung von Voraussetzungen zur Wehen- und Geburtsbetreuung in einem möglichst wohnortnahen Bereich der Frau, der für die Geburt geeignet ist, und an dem sich die Frau sicher fühlt und Vertrauen entwickeln kann.

* Wahrung der Intimsphäre der Frau.

* Emphatische Unterstützung durch Betreuende während Wehentätigkeit und Geburt.

* Akzeptanz der Wahl der Frau bezüglich ihrer Begleitpersonen während Wehentätigkeit und Geburt.

* Angebot nicht invasiver, nicht-pharmazeutischer Methoden der Schmerzlinderung während der Wehentätigkeit (zB Massage und Entspannungstechniken)

* Fetale Überwachung durch intermittierende Auskultation (Hörrohr oder Dopton)

* [...] Freie Wahl der Position und beliebiger Positionswechsel während Wehentätigkeit und Geburt. Ermutigung zur Wahl einer Gebärposition alternativ zur Rückenlage.

* [...] Frühzeitiger Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind, Förderung der Stillbeziehung innerhalb der ersten Stunde p.p. in Übereinstimmung mit den WHO-Still-Richtlinien. [...]


Praktiken, die eindeutig schädigen oder ineffektiv sind und die abgeschafft werden sollten

* Routinemäßige Gabe von Einläufen

* Routinemäßige Rasur der Schambehaarung

* Routinemäßiger Gebrauch intravenöser Infusionsflüssigkeiten während der Wehentätigkeit

* Routinemäßige Insertion eines intravenösen Zugangs während der Geburt

* Routinemäßiger Gebrauch der Rückenlage während Wehentätigkeit

* Rektale Untersuchung

* Durchführung röntgenologischer Beckenvermessungen

* Gabe von Oxitozin vor der Geburt in einer Weise, die ihre Wirkung unkontrollierbar macht

* [...] Angeleitete gezielte Preßmanöver in der Austreibungsperiode
(Valsalva-Manöver oder forciertes Pressen) [...]


Praktiken, die häufig inadäquat angewandt werden

* Beschränkung von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme während der Geburt

* Schmerzbekämpfung durch systemische Analgetika

* Schmerzbekämpfung durch Peridual-Anästhesie

* Elektronische Überwachung des Feten durch CTG

* Benutzung steriler Überziehmäntel und Mundschutzes während der Geburt

* Wiederholte oder häufige vaginale Untersuchungen, insbesondere wenn sie durch mehr als eine Betreuungsperson durchgeführt werden

* Wehenbeschleunigung mit Oxitozin

* Routinemäßig durchgeführte Verlegung der Schwangeren in einen anderen Raum zu Beginn der Austreibungsphase

* Blasenkatheterisierung

* Anleitung der Frau zum Pressen, wenn der Muttermund als vollständig oder fast vollständig diagnostoziert wurde, bevor die Frau selbst einen Preßdrang verspürt

* Rigides Beharren auf einer festgelegten Dauer der Austreibungsperide, wie zB eine Stunde, wenn der mütterliche und fetale Allgemeinzustand gut sind und ein Geburtsfortschritt abzusehen ist

* Vaginal-operative Entbindungen

* Freizügige oder routinemäßige Durchführung von Episiotomien (Dammschnitte)



Die einleitenden Worte von Germaine Greer, "Die ganze Frau"
"In den fünfziger Jahren entsprang der Druck, alle gebärenden Frauen ins Krankenhaus zu bringen,
direkt der Angst und dem Misstrauen gegenüber der Mutter und manifestierte sich in der Forderung, in der Nähe des Kindes einen Mundschutz zu tragen, die Brüste vor und nach dem Stillen zu waschen und das Kind, zwanzig Minuten, nachdem es der Mutter in die Hände gefallen war, ins Babyzimmer zurück zu bringen. Die Überlebensrate der Babys war genauso hoch wie bei Hausgeburten; der wesentliche Aspekt der Krankenhausentbindung war, die Mütter in Reih und Glied tanzen zu lassen und sie unter Kontrolle zu bringen, ihnen die Schamhaare zu rasieren, einen Einlauf zu machen und die Fruchtblase zu sprengen. Dann wurde routinemäßig ein Dammschnitt vorgenommen, und die Zahl der Kaiserschnitte stieg unaufhaltsam. Die Botschaft, die damit verbreitet wurde und immer noch wird, lautet, dass trotz all der Jahre feministischer Agitation für die Rechte der Mütter die jetzigen Frauen im Gebären nicht gut sind und ohne massive Eingriffe überhaupt nichts erreichen würden
."