Christophs Geburt
21.04.1996


Als ich im August 95 merkte, dass ich schwanger war war mein erster Gedanke:
"Dieses Kind kannst Du nicht bekommen" Ich hatte zu der Zeit schon eine Tochter, deren absolute Horrorgeburt vor 1 1/2 Jahren mir noch in den Knochen steckte. Nach dem ersten Ultraschall war mir natürlich klar, abtreiben könnte ich auch nicht :-))

So habe ich mich für das Baby entschieden, aber mir war auch sofort klar: NIE WIEDER KRANKENHAUS. Also suchte ich nach Alternativen. Meine Schwägerin hatte zu der Zeit schon drei Kinder zu Hause zur Welt gebracht und vermittelte mir Kontakt zu ihrer damaligen Hausgeburtshebamme. Da stimmte die Chemie aber irgendwie nicht richtig und ich machte mich dann selbst auf die Suche. War nicht so schwer, hier in Hannover gab es damals nur 4 Hausgeburtshebammen.
Ich habe mich mit den verbliebenen 3 Hebammen auch getroffen und gleich bei der ersten stimmte die Chemie, es war sofort klar wir liegen auf einer Wellenlänge.

Ich hatte eine tolle Schwangerschaft und bereitete mich langsam aber sicher auf den 06.04.96 vor, Christophs ET. Drei Wochen vor dem ET hatte ich schon leichte Wehen und mein FA meinte schon, dass das wohl eher früher was wird. Klasse habe ich so bei mir gedacht, je weiter weg von Josephines Geburtstag (18.04) umso besser. Pustekuchen.... Der 6. kam und ging auch wieder ohne eine einzige Wehe.

Die Untersuchungen machte zu der Zeit schon nur noch ausschließlich meine Hebamme. Meine Mutter wurde schon sehr ungeduldig. Sie ist extra gekommen, um sich unter der Geburt um Josephine zu kümmern musste aber spätestens nach Josephines Geburtstag wieder nach Hause (sie wohnt 450 km von uns entfernt).
So vergingen die nächsten Tage immer ohne Wehen, ich wurde immer verkrampfter, da ja 14 Tage nach ET man zum einleiten ins KH muss. Das wollte ich aber auf keinen Fall.

Am 18. verspürte ich dann leichte Wehen, ich also sofort in die Badewanne, wo sie auch prompt wieder verschwanden. Na klasse dachte ich mir. Ute, meine Hebamme, meinte danach, wenn sich am Wochenende nichts tun würde müsste sie mich zur Einleitung schicken. Also wurde ich noch verkrampfter......
Am 21.04., es war ein wirklich sehr sonniger Frühlingssonntag trafen wir uns noch mal mit sehr lieben Freunden auf dem Spielplatz. Es war der letzte Tag vor Einleitung :-))

Die Betreuung von Josephine für den nächsten Tag hatten wir sichergestellt, meine Schwester wollte aus Wiesbaden kommen und sich für die Zeit in der Klinik um Josi kümmern. Sie würde abends um 22:30 Uhr am Bahnhof ankommen und ich wollte sie abholen.
Gegen 18:00 Uhr gingen wir nach Hause und ich fing an zu kochen -Lasagne- und während ich die Lasagne in den Ofen schob merkte ich die erste Wehe.

Ok hab ich mir gedacht, warte mal ab, vielleicht ist es wieder falscher Alarm.
So verging ungefähr eine Stunde mit sehr regelmäßigen und heftigen Wehen, die ich aber noch sehr gut veratmen konnte. Nach dem Essen dachte ich dann, jetzt geh ich mal in die Badewanne, mal schauen wie sich die Wehen entwickeln. Vorher rief ich noch meine Hebamme an, das es bei mir jetzt doch losgehen wollte. Sie fragte mich ob ich es noch gut aushalten könnte und ob es ok sei, wenn sie erst noch essen würde.
Hatte ich gar kein Problem mit, denn die Wehen waren wirklich gut zu ertragen.

Ich ging also in die Badewanne- und die nächste Wehe traf mich mit voller Gewalt. Die Abstände verkürzten sich auf 3-4 Minuten und die Wehen wurden wirklich heftig, aber immer noch gut zu veratmen. Ich also raus aus der Badewanne und wieder Ute angerufen, sie müsste doch jetzt sofort kommen
:-))
Da war es ca. 21 Uhr, um 21:20 Uhr kam dann Ute und um 21:35 Uhr meine Schwester, die einen Zug früher genommen hatte. Gott sei Dank :-))

Von da an ging es wirklich Schlag auf Schlag, meiner Meinung nach fast ein bißchen zu schnell. Die Wehen kamen in 2 Minuten Abständen und ich konnte sie nur noch veratmen indem ich mich an den Hals meines Mannes hängte (der arme Holger hatte tagelang Rückenprobleme). So nach einer Stunde gingen wir dann in unser schön eingerichtetes Gebärzimmer (unser Schlafzimmer) wir hatten alles vorbereitet, eine Duftlampe brannte um uns in positive Stimmung zu versetzen und das Licht war gedämpft. Ich wechselte von einer Stellung in die nächste, keine war mir wirklich angenehm. Die Wehen waren jetzt sehr heftig und kamen in sehr kurzen Abständen, so dass ich kaum Gelegnehit zur Entspannung hatte.
Ich schrie nach einem Schmerzmittel und Holger meinte nur lapidar : Das schaffst du auch ohne. Da war ich kurz davor ihn umzubringen :-)))
10 minuten später war bei der Untersuchung der MuMu vollständig eröffnet und Ute sprengte die Fruchtblase. Sofort darauf bekam ich Preßdrang, ich hockte mich also hin und presste.

3 Wehen später war Christoph geboren. Um 23:04 Uhr. Er hat es noch gerade so geschafft doch zu Hause geboren zu werden. Es war einfach das schönste Erlebnis das ich je hatte. Diese Nähe und Liebe habe ich nie zuvor so gespürt, leider schon gar nicht bei meiner ersten Geburt. Josephine wurde geweckt und durfte sofort ihren Bruder gebührend bewundern. Der allerdings fand die Geburt wohl nicht so toll, denn er hat noch zwei Stunden nach der Geburt gebrüllt und war durch nichts zu beruhigen :-))
Auf jeden Fall freue ich mich total auf meine nächste Geburt im September, wenns nur ums kriegen gehen würde könnte ich noch hunderte haben. Aber man muss ja leider auch schwanger sein :-))
Nicole, Hannover

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