Als ich im August 95 merkte, dass ich schwanger war war mein
erster Gedanke:
"Dieses Kind kannst Du nicht bekommen" Ich hatte zu der Zeit
schon eine Tochter, deren absolute Horrorgeburt vor 1 1/2 Jahren
mir noch in den Knochen steckte. Nach dem ersten Ultraschall
war mir natürlich klar, abtreiben könnte ich auch nicht :-))
So habe ich mich für das Baby entschieden, aber mir war auch
sofort klar: NIE WIEDER KRANKENHAUS. Also suchte ich nach Alternativen.
Meine Schwägerin hatte zu der Zeit schon drei Kinder zu Hause
zur Welt gebracht und vermittelte mir Kontakt zu ihrer damaligen
Hausgeburtshebamme. Da stimmte die Chemie aber irgendwie nicht
richtig und ich machte mich dann selbst auf die Suche. War nicht
so schwer, hier in Hannover gab es damals nur 4 Hausgeburtshebammen.
Ich habe mich mit den verbliebenen 3 Hebammen auch getroffen
und gleich bei der ersten stimmte die Chemie, es war sofort
klar wir liegen auf einer Wellenlänge.
Ich hatte eine tolle Schwangerschaft und bereitete mich langsam
aber sicher auf den 06.04.96 vor, Christophs ET. Drei Wochen
vor dem ET hatte ich schon leichte Wehen und mein FA meinte
schon, dass das wohl eher früher was wird. Klasse habe ich so
bei mir gedacht, je weiter weg von Josephines Geburtstag (18.04)
umso besser. Pustekuchen.... Der 6. kam und ging auch wieder
ohne eine einzige Wehe.
Die Untersuchungen machte zu der Zeit schon nur noch ausschließlich
meine Hebamme. Meine Mutter wurde schon sehr ungeduldig. Sie
ist extra gekommen, um sich unter der Geburt um Josephine zu
kümmern musste aber spätestens nach Josephines Geburtstag wieder
nach Hause (sie wohnt 450 km von uns entfernt).
So vergingen die nächsten Tage immer ohne Wehen, ich wurde immer
verkrampfter, da ja 14 Tage nach ET man zum einleiten ins KH
muss. Das wollte ich aber auf keinen Fall.
Am 18. verspürte ich dann leichte Wehen, ich also sofort in
die Badewanne, wo sie auch prompt wieder verschwanden. Na klasse
dachte ich mir. Ute, meine Hebamme, meinte danach, wenn sich
am Wochenende nichts tun würde müsste sie mich zur Einleitung
schicken. Also wurde ich noch verkrampfter......
Am 21.04., es war ein wirklich sehr sonniger Frühlingssonntag
trafen wir uns noch mal mit sehr lieben Freunden auf dem Spielplatz.
Es war der letzte Tag vor Einleitung :-))
Die Betreuung von Josephine für den nächsten Tag hatten wir
sichergestellt, meine Schwester wollte aus Wiesbaden kommen
und sich für die Zeit in der Klinik um Josi kümmern. Sie würde
abends um 22:30 Uhr am Bahnhof ankommen und ich wollte sie abholen.
Gegen 18:00 Uhr gingen wir nach Hause und ich fing an zu kochen
-Lasagne- und während ich die Lasagne in den Ofen schob merkte
ich die erste Wehe.
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Ok hab ich mir gedacht, warte mal ab, vielleicht ist es wieder
falscher Alarm.
So verging ungefähr eine Stunde mit sehr regelmäßigen und heftigen
Wehen, die ich aber noch sehr gut veratmen konnte. Nach dem Essen
dachte ich dann, jetzt geh ich mal in die Badewanne, mal schauen
wie sich die Wehen entwickeln. Vorher rief ich noch meine Hebamme
an, das es bei mir jetzt doch losgehen wollte. Sie fragte mich
ob ich es noch gut aushalten könnte und ob es ok sei, wenn sie
erst noch essen würde.
Hatte ich gar kein Problem mit, denn die Wehen waren wirklich
gut zu ertragen.
Ich ging also in die Badewanne- und die nächste Wehe traf mich
mit voller Gewalt. Die Abstände verkürzten sich auf 3-4 Minuten
und die Wehen wurden wirklich heftig, aber immer noch gut zu veratmen.
Ich also raus aus der Badewanne und wieder Ute angerufen, sie
müsste doch jetzt sofort kommen
:-))
Da war es ca. 21 Uhr, um 21:20 Uhr kam dann Ute und um 21:35 Uhr
meine Schwester, die einen Zug früher genommen hatte. Gott sei
Dank :-))
Von da an ging es wirklich Schlag auf Schlag, meiner Meinung nach
fast ein bißchen zu schnell. Die Wehen kamen in 2 Minuten Abständen
und ich konnte sie nur noch veratmen indem ich mich an den Hals
meines Mannes hängte (der arme Holger hatte tagelang Rückenprobleme).
So nach einer Stunde gingen wir dann in unser schön eingerichtetes
Gebärzimmer (unser Schlafzimmer) wir hatten alles vorbereitet,
eine Duftlampe brannte um uns in positive Stimmung zu versetzen
und das Licht war gedämpft. Ich wechselte von einer Stellung in
die nächste, keine war mir wirklich angenehm. Die Wehen waren
jetzt sehr heftig und kamen in sehr kurzen Abständen, so dass
ich kaum Gelegnehit zur Entspannung hatte.
Ich schrie nach einem Schmerzmittel und Holger meinte nur lapidar
: Das schaffst du auch ohne. Da war ich kurz davor ihn umzubringen
:-)))
10 minuten später war bei der Untersuchung der MuMu vollständig
eröffnet und Ute sprengte die Fruchtblase. Sofort darauf bekam
ich Preßdrang, ich hockte mich also hin und presste.
3 Wehen später war Christoph geboren. Um 23:04 Uhr. Er hat es
noch gerade so geschafft doch zu Hause geboren zu werden. Es war
einfach das schönste Erlebnis das ich je hatte. Diese Nähe und
Liebe habe ich nie zuvor so gespürt, leider schon gar nicht bei
meiner ersten Geburt. Josephine wurde geweckt und durfte sofort
ihren Bruder gebührend bewundern. Der allerdings fand die Geburt
wohl nicht so toll, denn er hat noch zwei Stunden nach der Geburt
gebrüllt und war durch nichts zu beruhigen :-))
Auf jeden Fall freue ich mich total auf meine nächste Geburt im
September, wenns nur ums kriegen gehen würde könnte ich noch hunderte
haben. Aber man muss ja leider auch schwanger sein :-))
Nicole, Hannover
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