Tochter 1 war von den Voraussetzungen schon ausgerüstet für
eine Alleingeburt (Plazenta oben, Nabelschnur ok), hab mich
aber nicht getraut, es allein zu machen, aber wollen hätte ich
schon, bin aber dann hingefahren, wo ich mich angemeldet hab.
War auch nicht schlimm, hätte aber anders sein können. Aber
ich hab gelernt, ich kann's. Das war das große Aha-Erlebnis:
"Und für DAS bin ich jetzt da her gefahren?"
2. Tochter also zuversichtlicher erwartet. Erste Wehen gespürt,
nix dabei gedacht, weil errechneter Termin noch 11 Tage hin.
Nächsten Tag in der Früh das "Zeichen". Tochter 1 sagt irgendwann
an dem Tag, ihr wäre faad, ich: "Du wirst heute sicher noch
was aufregendes erleben." Badewannentest gemacht: Wehen werden
stärker, muss bald raus. Muttermund ca. 4 cm offen. Alles klar.
Habe wie jeden Samstag Waschtag, brav erledigt, dazwischen immer
wieder auf die Couch gesetzt und Wehen überlebt. Bücken, heben,
hart arbeiten, Großkind tragen ist noch gut möglich, aber hinlegen
nicht mehr. Besonders nach hinten hin tut es sehr weh. Fange
an nachzudenken, wie das am-Rücken-liegen-Frauen überlebt haben...
Also ICH NICHT! Ich absolviere also den Waschtag, Schwester
ruft an, Freundin ruft an, Mutter ruft an,...
Zwischendurch schaue ich immer wieder, wie es dem Muttermund
geht. Öffnet sich. Es fühlt sich übrigens urlustig an, wenn
die Fruchtblase so prall in die Scheide hineinsteht, hab mich
auch gespielt damit... zabong! zabong! und dabei jedesmal eine
Wehe ausgelöst.
Waschtag fertig machen, Handtücher einpacken. Taxi rufen. Die
auserkorene Geburtswohnung war eine andere, da war schon alles
vorbereitet. Im Taxi 3 Wehen gehabt, die echt nicht zu verbergen
waren, hab mich am Griff festgehalten und fest geatmet. Beim
Zahlen wieder eine Wehe gehabt, Trinkgeld gegeben, was ich in
der Hand hatte. Stiegen raufgegangen, Wehe gehabt. Aufgesperrt,
endlich! Aufs Bett, hingekniet,... ah, wie angenehm! Endlich
laut stöhnen dürfen!
Heizbläser aufdrehen. Tochter 1 dreht den Fernseher auf. Im
Knien laut gestöhnt, nur schnell einmal den Schmerz weggedrückt,
auf einmal kracht und platzt es in mir, und ich kann mir gerade
noch das rechte Hosenbein runterziehen, kann nicht anders, muss
drücken, auf einmal seh ich ein Kopferl zwischen meinen Beinen
hängen, schaut richtig echt aus. Es schaut mich zuerst mit dem
Hinterkopf an und dreht dann das Gesicht zu meinem linken Bein
hin, während ich den Stoff von meinem rechten Hosenbein zum
linken rüber tu, und da plumpst das Baby auch schon raus und
schreit, weil es so kalt ist.
Hose trotzdem ziemlich trocken geblieben. Aber auf der Decke
ist ein Fruchtwasserfleck. Ich nehm schnell 2 Handtücher, waren
Gott sei Dank in Griffweite, wickel Baby ein, Baby hört auf
zu schreien, ich entferne mein linkes Hosenbein, leg mich daneben
hin und zieh die Decke über uns beide. Tochter 1 hat nebenbei
gefragt, was ich da mach, es dann irgendwie kapiert. Helfe ihr
aus der Jacke, wie es langsam wärmer wird im Zimmer. Die 2 Handtücher
um Tochter 2 entferne ich nun und klemme sie mir zwischen die
Beine. Weil ich die Nabelschnur bis jetzt nicht durchgeschnitten
gehabt habe, und dieselbe zwischen den Beinen von Tochter 2
gelegen ist, war ich mir bis zum letzten Moment nicht sicher,
was es ist. Ich konnte mich zwar erinnern, ein weibliches Genital
gesehen zu haben, aber weil dem armen Baby kalt war, konnte
ich das nicht überprüfen, sondern hab es schnell eingewickelt.
Ich bin also da gelegen, Tochter 1 hat sich langsam hergetraut
und die geringe Größe von Nase, Fingern und Zehen bewundert,
aber ich hab lange nicht gewusst, ob es jetzt wirklich ein Mädchen
war! Ich knie mich auf und warte, dass die Plazenta "kommt",
hab das irgendwo gelesen, dass sie nach 20 Minuten "kommt".
Dann wird's mir zu blöd, außerdem tut's weh, und ich drück einfach
an.
Nach 2 Stunden, in denen ich gut geruht habe, flutscht das Ding
also raus und fühlt sich an wie ein weicher Zwilling. Wieder
ein Aha-Erlebnis: Das hat mir wieder einmal keine gesagt, dass
ich bei der Plazenta genauso andrücken muss wie beim Kind.
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Hätte sonst bis zum St.-Nimmerleinstag gewartet. Aber Hauptsache,
das Ding ist draußen.
Ich kann mich endlich bewegen, hol mein Taschenfeitl hervor und
schneide die Nabelschnur durch. (Wahnsinn, geht das schwer! Sowas
Zähes hab ich noch nie erlebt!) Göttin sei Dank! Es ist tatsächlich
ein Mädchen! Ich nehme die Handtücher zwischen meinen Beinen hervor
und packe die Plazenta drin ein, schaue sie mir aber noch genau
an (nix auffälliges).
Meine Hände sind koscher (wirklich nicht ein bisschen Blut o.ä.),
also helfe ich Tochter 1 aus der Wäsche, aufs Topferl und in den
Pyjama und gehe mich dann waschen. Ich nehme mir eine normale
Babywindel, zieh eine Unterhose drüber und gehe unter die Decke.
Das Leintuch ist bis auf einen kleinen hellen blutigen Fleck,
mehr wässrig als blutig, sauber geblieben.
Tochter 1 hat derweil äußerst gewissenhaft und zu meiner vollsten
Zufriedenheit das Baby bewacht. Baby frisch einpacken, Licht abdrehen,
Fernseher abdrehen und schlafen gehen. Um Mitternacht kommt dann
noch meine Schwester und weiß zuerst nichts damit anzufangen,
dass ich "völlig heruntergekommen" bin. Ich erklärte es ihr dann
noch genauer: "Ich bin niedergekommen." Und sagte sie ungefähr
eine viertel Stunde lang, das ich verrückt sei, während sie das
Baby anschaute.
Sie sagt irgendwann: "Hallo! Ich bin deine Mama!", und die Kleine
lächelt. Dann hat sie sie mir wieder zurückgegeben, und mein Baby
hat zu weinen begonnen. Diese kleine Episode hängt ihr bis heute
nach. Meine Schwester brachte mir dann Butterbrot und Orangensaft,
und wir waren alle glücklich. Meine Schwester hat dann noch "mon
chéri" gegessen. Und Tochter 1 war ganz stolz und wollte allen
alles erzählen. In der Nacht habe ich mich einmal schlafend gestellt,
obwohl ich wusste, dass das keinen Sinn hatte, und dann ist die
"Große" senkrecht im Bett gestanden und hat im Befehlston gesagt:
"Baby weint, Baby möch Titti ham!"
Am nächsten Tag fuhren wir dann in das für die Geburt theoretisch
vorgesehene Krankenhaus. Dort wurden meine Tochter und ich untersucht,
jedoch nicht die Geburtsbestätigung geschrieben. Später habe ich
dann im österreichischen Gesetz gelesen, dass jeder Arzt und jede
Hebamme, die zu einer Geburt gerufen werden, auch wenn die Geburt
dann schon vorbei war, dazu verpflichtet wären - außer sie erkennen
auf den ersten Blick, dass die Angaben falsch sind. Es war zwar
kein Rufen, sondern ein Hingehen, aber geburtshilflich ausgebildete
Menschen sind in Anspruch genommen worden. Diese Menschen hätten
mir eigentlich bei der Erlangung der Geburtsurkunde behilflich
sein müssen. Aber sie taten es nicht. Möglicherweise deshalb,
weil ich allzu sehr vermittelte, dass es auch ohne Hebamme geht.
Na gut, dann war ich halt dran mit "auf-ins-Mittelalter"-Mutterschaftsfest-stellungsmethoden:
Bei mir wurde die Größe der Gebärmutter und der Wochenfluss festgestellt
(Rückbildung geht bei Alleingeburt sehr schnell), bei meiner Tochter
wurde die niemals erwünschte, weil harte und scheuernde Nabelklemme
angebracht. Trotz dieser übertriebenen und unerwünschten geburtshilflichen
Maßnahmen wurde so getan, als wäre ich nie dort gewesen. Am Standesamt
wurde das allerdings nicht mehr akzeptiert. Die zur Befragung
herangezogene Amtsärztin verlangte Untersuchungsergebnisse von
mir - trotz Mutter-Kind-Pass! -, dass "es sein könnte, dass ich
geboren habe."
(Originalzitat: "Ich glaube Ihnen ja, dass Sie schwanger waren.
Aber wir brauchen eine Bestätigung, dass es sein könnte, dass
Sie geboren haben."), und vom Kind, dass "das Alter stimmen könnte".
Irgendwann hat meine Mutter irgendwen angerufen, und am nächsten
Tag konnte ich die Geburtsurkunde abholen. Ich hatte bis zum Vaterschaftstest
Angst, dass ich einmal mit einer Amtsärztin und ein paar Kinderhändlerinnen
auf der Anklagebank lande, weil die Geburtsurkunde dermaßen unseriös
zustande gekommen war. Aber das Geburtserlebnis würde ich niemals
gegen ein anderes eintauschen.
Alles selber machen dürfen... Herrlich!
Dagmar,
Österreich
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