Als unser errechneter Geburtstermin am 12.5. ohne irgendein Anzeichen für eine nahe Geburt verstrich beschloss ich für mich das der 13. ein toller Geburtstag sein würde und teilte das meinem Mann abends beim zu Bett gehen mit.
Am 13.5. wurde ich gegen 5:00 Uhr mit leichten Kontraktionen wach, drehte mich aber wieder rum und schlief bis 7:00 Uhr weiter.
Ich war schon ein wenig überrascht, dass es immer noch zog und schmerzte, es wehte diffus in Abständen von 5-15 Minuten vor sich hin. Alles in allem nicht beunruhigend und nicht deutlich genug um sich wirklich Gedanken zu machen.
So frühstückten wir und beschlossen, unseren Tag ganz normal zu gestalten.
Mario fuhr um 10:00 in dem Wald und mit ihm verschwanden meine Wehen.
Nichts passierte mehr.
Ich putzte das ganze Haus einmal von oben nach unten durch und wartete auf seine Rückkehr.
Gegen 12:00 Uhr erschien mein Mann in der Tür und mit ihm rollte eine Wehe an.
Da war mir klar dass unser Kind nur geboren werden würde, wenn er jetzt daheim bliebe.
Wir brachten die Kids zur Oma nach nebenan um ein wenig Ruhe zu haben und sagten nicht von den Kontraktionen.
Diese waren weiter unregelmäßig mit mal größeren, mal kleineren Abständen, gut erträglich und sie blieben. So beschloss ich, dann doch einmal den Badewannentest zu machen. Und es wurde mehr. Immer noch unregelmäßig kam en die Wehen jetzt mit einer deutlich größeren Kraft an und ich begann, die ein oder andere zu veratmen.
Ich fühlte mich zwar sehr wohl in der Wanne, hatte aber keine Ruhe und irgendwie auch das Bedürfnis, mich zu bewegen.
Also bin ich wieder raus und wir beschlossen wir, erst etwas zu essen und danach eine Runde mit den Hunden zu drehen. Gesagt getan.
Wir marschierten los, und ich war so froh als wir das Ende des Dorfes erreichten, ich hatte mittlerweile Mühe, die Wehen zu veratmen und wollte auf keinen Fall das jemand etwas mit bekommt.
Außerhalb des Dorfes kamen wir dann alle 5 Minuten zum stehen und mein Mann drängte schon nach kurzer Zeit zum Umkehren.
Daheim ging ich zur Toilette und hatte erstmals Blut im Slip.
Daraufhin riefen wir unsere Hebamme an, einfach um sie zu informieren. Wir waren immer noch nicht in der Phase in der wir von Geburtswehen sprechen konnten und wollten, dafür war alles zu unregelmäßig und auch die Dauer der Kontraktionen waren noch viel zu kurz.
Unsere Hebamme wollte am späten Nachmittag trotzdem einmal vorbei schauen. Ich war mir auch gar nicht sicher ob ich nun wirklich daheim gebären wollte.
Irgendwie beruhigte mich dann das sie kommen würde und ich lies mich wieder in der Badewanne nieder.
Sofort verstärkten die Wehen sich ein weiteres mal und ich musste so ziemlich jede Wehe veratmen, die Abstände verkürzten sich und die Wehen wurden länger.
Ich rief kurz bei meiner Mutter an um sie vorzubereiten das die Hebamme kommen würde um nach uns zu schauen und das sonst nichts sei, alles in Ordnung, kein Grund zur Panik eben.
Als ich mit ihr sprach rollte eine richtig heftige Wehe an, ich konnte nicht mehr sprechen, Mario nahm mir das Telefon aus der Hand und hechtete raus damit meine Mutter mein tönen nicht mitbekommen sollte, schloss die Tür und hatte verloren.
Mutti fragte ganz entsetzt was ich so schreien würde und war nur schwer davon zu überzeugen das alles okay ist und es noch ewig dauert....*g*
Mario linste wieder rein und meinte dann im gleichen Moment in dem ich dachte, DAS sind jetzt keine Vorwehen mehr, „Schatz, das war dann eine richtige Wehe, oder?“
Die Unsicherheit war schlagartig weg, gegen 15.00 Uhr wussten wir: Unser Kind will geboren werden, jetzt ist Geburt.
Die Wehen stiegen in ihrer Intensität an und ich wollte raus und ins Bett. Da lagen wir dann Arm in Arm und ich begann die ersten Wehen zu betonen, laut, kräftig und ohne Rücksicht auf das offene Fenster.
Die Pausen verkürzten sich auf ungefähr drei Minuten und um 15:30 Uhr platzte unter einer Wehe die Fruchtblase.
Ich erschreckte mich total als es plopp machte, erklärte Mario in der Wehe: Die Blase ist geplatzt, ruf Renate an, sie muss sofort kommen.
Ich hatte auf einmal Panik und war völlig überrascht.
Mario beruhigte mich erst, versorgte mich mit Handtüchern die ich mir zwischen die Beine klemmte und rief Renate an die aber schon auf dem Weg zu uns war.
Ich wehte nun sehr angespannt vor mich hin, Wehenpausen von maximal 3 Minuten und ich hatte das tierische Bedürfnis auf Toilette zu müssen. Mir vielen einige Felsbrocken von der Seele als Renate endlich kam, wie immer die Ruhe selber ;-)
Sie lehnte an der Wand und schaute sich erst einmal ein, zwei Wehen an, setzte sich dann zu mir um mich zu untersuchen und entsetzte mich mit ihrer Aussage: Schön, 2 cm hast du schon, mehr hab ich aber auch nicht erwartet, ein zweites Mal.
Ich war schockiert, frustriert und hatte die totale Angst, diese Schmerzen nicht aushalten zu können.
Renate hörte noch die Herztöne ab und erklärte mir, sie würde dann noch einmal fahren wollen, wir müssten da nun durch und es müsste auch noch deutlich kräftiger werden.
Ich war frustriert aber beruhigt und konnte sie fahren lassen.
Sie wollte, so sie nichts von uns hörte, gegen 19:00 Uhr zu einer Geburtstagsfeier, wir waren also allem Anschein nach wirklich noch am Anfang. Ob ich nun daheim bleiben wollte, bzw. konnte, konnten weder ich noch Renate sagen.
Mario begleitete erst Renate nach draußen und dann mich wieder in die Badewanne. Die Wehen waren mittlerweile so heftig das ich jede voll veratmen musste, mit Abständen von 2 Minuten kamen sie und ich musst mich konzentrieren um sie richtig zu beatmen und mich in sie hinein fallen zulassen. Die Pausen nutzte ich um einfach los zu lassen und mit geschlossenen Augen dazuliegen.
Mario hielt in jeder Wehe meine Hand und wenn die Spitzen nicht enden wollten schaute ich ihm in die Augen und er sagte mir immer wieder: „Gleich hast du es geschafft, sie ist gleich vorbei und du bist ein Stück weiter.“
Ich habe so viel Kraft durch ihn erfahren, so viel unglaubliche Sicherheit. Es hat so gut und ohne ihn hätte ich es nicht geschafft, mich so darauf ein zu lassen.
Sobald wieder eine Wehe kam griff ich nach ihm und wir bewältigten sie im Teamwork..
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Wir funktionierten wieder, einer mit dem anderen, diese Geburt ohne meinen Partner zu schaffen, für mich undenkbar in diesem Moment.
Zwischendurch musste ich immer wieder aufs Klo und Mario ermutigte mich weil ich Angst vor der Mächtigkeit der Schmerzen hatte. Ich konnte sie „auf dem Trockenen“ kaum ertragen.
Trotzdem lies ich mich irgendwann überreden ein wenig aus dem Wasser zu kommen, bereute es aber ziemlich direkt.
Die Wehen waren nur zu ertragen wenn ich mich an den Hals meines Mannes hängte oder auf der Seite mit leicht angewinkelten Beinen lag. Jede kleine Positionsänderung war unerträglich, an und ausziehen undenkbar, es war so heiß, ich schwitzte, war durstig und konnte kein Glas halten. Die Wehen nahmen mich völlig gefangen und ich war nur noch bei mir.
Wir beschlossen das Bett geburtsbereit zu machen, Mario brauchte 3 Wehen um die Plane und das Bettlaken fest zu machen da ich immer wieder rief: Pause, hier, schnell und mich an ihn hängte und laut die Wehen beatmete. Als er fertig war hielt ich es nicht mehr aus und wollte wieder in die Wanne. Ich lag drin, 18:30 Uhr als Renate anrief und fragte wie es ausschaue. Mario schickte sie auf die Geburtstagsfeier, wir bräuchten noch Zeit, alles okay.
Ich war mir unsicher aber er war so überzeugend dass ich mich wieder gehen und fallen lassen konnte.
Um 19:00 Uhr war alles schlagartig anders.
Ich war davon überzeugt, nicht mehr zu können und jammerte kräftig dass ich jetzt sofort Renate bräuchte und dass ich solche Angst hätte, dass wir noch nicht viel geschafft hätte.
Seit dem Befund 2 cm waren ja gerade etwas über 2 Stunden vergangen und ich hatte ja immer lange geboren.
Mario überredete mich ein weiteres Mal, noch zwei, drei Wehen abzuwarten, rief dann aber doch zügig bei ihr an.
Ich dachte, es ging nicht mehr, ich wollte Renate und ich wollte eine PDA, Krankenwagen, Paracetamol, Gnadenschuss, alles, wenn wir erst bei 4 cm sein sollten. Als Mario sie anrief fragte sie nicht nach und legte nach einem: „Ich bin unterwegs“, auf.
Ich war beruhigt und konnte mich wieder konzentrieren, musste die Wehen aber mittlerweile so kräftig veratmen das die Nachbarn die baldige Ankunft unseres Kindes mitbekamen.
Es war eine total emotionsgeladene Situation, so etwas Kraftvolles, Übermenschliches hatte ich nie zuvor erlebt. Ich atmete nicht, es atmete mich, ich fiel in die Wehen und sie trugen mich durch sich durch, alles was ich wahrnahm waren die Augen meines Mannes in die ich schaute und die mir Mut zusprachen.
In den Pausen fragte ich nach wie lange sie wohl noch brauchen werde. Er ermutigte mich, nicht mehr lange, vielleicht noch 3, 4 Wehen, dann ist sie da. Dann hechtete er zur Tür, steckte den Schlüssel außen auf und kam wieder hoch. Die Wehenpausen wurden kürzer, 1 Minute und dann, plötzlich drückte es in mir mit einer Kraft nach unten. Ich presste und konnte nicht aufhören, es presste mich und ich stöhnte: Ich muss drücken.
Mario hielt mich fest und erklärte mir sehr bestimmt das ich nicht pressen solle, ich solle locker lassen.....Ich bekam seine Unruhe gar incht mit, er hatte sich total im Griff, trotz der Angst die er natürlich in dem Moment bekoam.
Dann ging die Tür auf und Renate rief in eine Wehe hinein schon von unten: Ich bin da.
Nun sollte alles gut sein dachte ich, aber ich konnte mich nicht entspannen die nächsten Wehen kamen so gewaltig daher das ich nur noch stöhnen und atmen konnte.
Renate kam , mit ihrer Seelenruhe ins Badezimmer, packte sich ein paar Handschuhe, wartete die nächste Wehe ab und untersuchte mich.
Sie schaue erstaunt auf: Uihhh, fast vollständig, du hast gut gearbeitet.
Ich musste heulen, nicht 4 cm, nicht sterben müssen, es bald geschafft zu haben, neue Perspektiven, es überwältigte mich. Renate meinte dann:
„Wenn du ins Krankenhaus willst, dann jetzt.“
Ich wollte nicht. Nicht aus der Wanne, nicht bewegen, nicht Auto fahren, nicht gar nichts, ich wollte pressen und mein Kind sehen.
Renate meinte: „Okay, dann hol ich meine Sachen“, drehte sich dann um und ging um ihre Sachen aus dem Auto zu holen.
Es wurde immer heftiger, überwältigender und ich wusste nicht mehr vor noch zurück. Marios Hand war da, sonst nichts und als Renate wieder kam, konnte ich nur noch feststellen:
Du, es überrollt mich gerade. Sie kniete sich an die Wanne und meinte: „Na dann lass es jetzt rollen.“
Ich schaute sie an: „Schaffe ich das, sag mir, schaffe ich das wirklich?“.
Sie lächelte mich an: „Natürlich schaffst du das, keine Frage.“.
Danach ließ ich es rollen und erlebte ein unbeschreibliches Gefühl. Mein Körper presste und drängte das Kind nach unten, ich musste nichts tun, konnte mich nicht wehren, keinen Einfluss nehmen, musste auch nichts tun als es geschehen lassen.
Sein Köpfchen hing am Muttermundssaum und trat nicht tiefer und Renate schob den Muttermund während einer Wehe über as Köpfchen zurück.
Ich dachte es zerreist mich. Als der kopf nun endlich „befreit“ war überwand ich mich und gab dem Gefühl nach, mich aufrichten zu wollen. Ich hockte mich quer in die Badewanne, lehnte mich hinten an und auf einmal rutschte mein Kind mit einer überwältigenden Kraft nach unten.
Die Wehe verschwand und ich presste weiter, Renate und Mario saßen vor mir, Renate holte mich zurück, stoppte das Gepresse außerhalb der Wehe und nahm meine Hand und lies mich meinen Sohn fühlen. Ich fühlte Haare, wenige warme weiche Haare, die an meinem Scheidenausgang erschienen.
Ich lies ihn einfach kommen, presste eine Wehe mit und atmete wieder zu ihm, hielt meine Hand auf seinem Köpfchen, fühlte ihn, fühlte wofür ich das tat.
Mario feuerte mich an, „Ich sehe ihn, gleich hast du es geschafft, du schaffst das“.
Wir ließen ihn selbst den Weg freidrücken, langsam dehnte er sich den Platz frei den er brauchte um geboren zu werden.
Es war ein brennendes, reißendes Gefühl dem ich mich aber gut aussetzten konnte.
Ich hatte nur schrecklichen Durst.
Renate hielt mir ein Glas Wasser hin und ich trank ehe die nächste Wehe kam und der Kopf meines Sohnes geboren wurde.
Mario erzählte mir was er sah: Ich sehe ihn, gleich ist er da“ und ich lehnte mich zurück, lies locker damit Renate die Schulter nacheinander befreien konnte. Dann glitt mein Sohn ins Wasser zwischen meinen Beinen, ganz sanft von Renate in Empfang genommen.
Sie legte ihn auf meinen Bauch und er schaute mich, ohne zu atmen, mit großen, wachen Augen an.
Linus war geboren.
Ich hielt ihn fest, einfach fest. Als die Nabelschnur auspulsiert war, schrie er das erste Mal......
Es war 20:13 Uhr, am Samstag vor Muttertag und draußen donnerte es gerade....
Chris, Frühlingsmamas2006
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