Nachdem ja die letzten Wochen schon immer mal von Wehen die Rede war und wir von der Frage, wann geht es denn nun los, begleitet wurden- wir aber beim Arzt, sowie bei Ninas Selbstuntersuchungen, nie eine Veränderung des Muttermundes Richtung Geburtsreife feststellen konnten, war auf eine baldige Geburt nicht zu hoffen.
Inzwischen bei einem einwöchigen Arztbesuchs-Turnus angelangt, wäre der letzte Arzttermin vor Weihnachten der 22.12. gewesen. Wir waren am 21.12. schon arg enttäuscht, dass wir wohl auch diesen Termin wieder wahrnehmen müssten.
Da aber die Nerven schon blank lagen und es irgendwie schon arg nach Geburt aussah, sagte ich den Termin kurzerhand ab. Die bisherigen, sehr umfangreichen, Untersuchungen ließen keine Verschlechterung erwarten.
So konnten wir uns am 23.12. bis 4 Uhr früh in Weihnachtsvorbereitungen verausgaben, was auch nicht geburtsfördernd war.
Den 24.12. verbrachten wir eher gemütlich, nichts ließ darauf schließen das es nur noch 24 Stunden dauern würde. Vereinzelte, auch heftigere Wehen, aber ohne Regelmäßigkeit und letztlich so, wie schon in den vergangenen Wochen, waren kein wirkliches Anzeichen einer nahenden Geburt.
Am 25.12. wurde ich wach und sah Nina auf der Bettkante sitzen. Ungewöhnlich lange und schnell stellte sich heraus, dass sie es mit offenbar stärkeren Wehen als bisher zu tun hatte. Uns war also klar, langsam wird es doch ernst.
Aber unsere Hoffnung wurde enttäuscht. Denn schon zum Frühstück war wieder Schluss mit Wehen. So verging irgendwie der ganze Vormittag. Da sich nichts besseres machen ließ, haben wir eben Programm wie immer gefahren. Also habe ich irgendwann begonnen unser Weihnachtsessen zuzubereiten. Hackfleischstrudel mit Reissalat. Nina liess sich in der Küche nieder, veratmete ab und an Wehen, zwischen denen aber immer wieder lange Pausen waren, um dann wieder im Bündel aufzutreten. Aber immer mehr zeigte sich schon: wir werden nicht mehr Tage warten brauchen. Langsam über den Tag verteilt ging auch der Schleimpropf ab.
Allerdings war uns spätestens seit Matthias Geburt klar, dass es auch noch mehr als 24 Std. sein könnten. Die Wehen waren allerdings immerhin heftig genug, dass sie Nina stöhnen und jammern ließen.
Da unsere Planung besser aufgehen würde, wenn zumindest die Kleinen im Bett sind, habe ich mich beeilt, um 17 Uhr wurde Matthias gebadet und der verwunderte Jonas duschen geschickt. Diese Dinge gehören zum täglichen Ritual und ich denke solange die Kinder dieses ausführen, wenn auch früher als normalerweise, geraten sie nicht zu arg in Panik.
Gegen 17.30 Uhr holte ich dann auch den Großen von seinem Freund gegenüber per Handy zurück ins Haus. Er war als Babysitter in unserer Geburtsplanung verankert. Er war zwar etwas verwundert, erkannte aber die Lage, ohne dass ich all zu viele Worte machen musste. Flugs war er da.
So gegen 18 Uhr aß ich mit den Kindern alleine Abendessen. Nina hatte sich ins Schlafzimmer zurückgezogen. Immer wenn ich hinein schaute, saß sie in ihrem Rattanstuhl. Einmal schlief sie dort, den Kopf mit einem Handtuch gegen die Wand gelehnt.
Vor dem Essen habe ich den Großen aufgeklärt das ich mit der Geburt noch heute Nacht rechne, aber wie immer eine gewisse Unsicherheit bleibt. Ich bat ihn auch, die Kleinen nicht zu beunruhigen.
Gleich nach dem Essen schickte ich den Mittleren ins Bett zum Lesen und brachte selbst Matthias mit dem gewohntem Vorlesen nach dem Zähneputzen zu Bett. Zum Glück war er vom Heiligabend müde genug, die Stunde zu früh nicht so zu merken.
Ich begab mich dann gegen 18.40 Uhr wieder zu Nina, die durch mein Kommen wach wurde. Anders als bei der letzen Geburt, wollte sie diesmal offenbar nicht berührt werden. Ich setzte mich also gegenüber auf die Bettkante, versuchte mich einwenig zu unterhalten, war in erster Linie allerdings einfach da. Im Laufe der nächsten Stunde verwarfen wir unseren ursprünglichen Plan A und eineinhalb Std. nach Bremen in die Klinik zu fahren und nahmen Bremervörde ca. 15 min entfernt in den Plan B auf.
Dennoch wollte Nina nicht in die Klinik und machte sich große Sorgen, was mit Matthias ist, wenn er dann wach wird. Er wacht oft nachts noch einmal auf. Ob wir dann nach der Geburt gleich gehen dürfen, dass der Krankenhausaufenthalt in einem technsich-medizinischen Geburtsdesaster enden würde. Ich sagte ihr zu, dass wir so spät wie eben möglich in die Klink fahren würden...
Die Wehen traten teilweise im 3-5 min Abstand auf, um dann 15 Min. Pause zu machen, waren unterschiedlich stark und irgendwie unberechenbar. Klassische Geburtswehen waren es jedenfalls nicht. Zwischen und während der Wehen gab es von außen sichtbare Bewegungen der Kinder, so dass wir davon ausgehen konnten, das sie Wehen zwar blöd finden, es ihnen aber gut geht.
Gegen 20 Uhr dachte ich dann daran die Intimpiercings zu entfernen, die Sprengringzange dazu lag bereit. Ich desinfizierte sie und besorge den Behälter für die Ringe und Kugeln. Im Stuhl sitzend kam ich nicht an die Ringe, also überlegten wir ins Bad zu gehen, um es im Stehen zu versuchen.
Plötzlich musste Nina dann dringend mit Durchfall auf Klo und ging danach kurz duschen. Sie kehrte dann ins Schlafzimmer zurück, wo ich die Ringe zügig entfernte. Nina kehrte auf Ihren Wehenstuhl zurück
Gegen 20.15 Uhr machte ich dann noch beim Mittleren das Licht aus und informierte ihn das seine Mama Wehen hat und er sich keine Sorgen über Geräusche machen braucht. Seit Matthias Hausgeburt weiß er recht genau wie sich eine Geburt anhört und Schreie dabei normal sind. Er nickte dann auch zufrieden und drehte sich in Schlaflage.
Sogleich informierte ich Luca, dass er wohl zu 98% heute Nacht mit der Geburt rechnen kann und er jetzt den Film sehen darf, den er unbedingt sehen wollte. Er fragte noch, ob wir jetzt gleich in die Klinik fahren, ich beruhigte ihn, dass es wohl noch etwas dauern würde.
Als ich dann ins Schlafzimmer zurück kehrte, hatte Nina sich aufs Bett begeben. Ich wusste zwar nicht genau was sie da wollte, erfuhr erst später, dass sie wohl dachte: "Wenn ich mich jetzt nicht wieder anziehe, schaffe ich es nicht mehr in die Klinik". Da sie aber schon mal frei war, nutzten wir die Gelegenheit, nach dem Muttermund zu tasten. Zwar hat er sich in letzter Zeit deutlich verändert, aber wirklich Geburtsreif fühlte er sich nicht an und war auch noch immer ganz nach hinten verzogen.
Wir waren frustriert, sollten nun fast 12 Stunden Wehen immer noch nichts gebracht haben. Würde es wieder wie bei Matthias einen weiteren Tag brauchen, um wirklich zur Geburt zu kommen. Ich entschied, dass wir noch warten. Die extrem unregelmäßigen Wehen erschienen mir für einen Klinkbesuch noch nicht reif und mit der Aussicht auf eine Einleitung, die wir nicht wünschten.
Nach dem Tastgefühl zu urteilen, lag zumindest das linke, tiefer liegende Baby mit dem Kopf voran. Oben waren Tritte zu spüren.
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Das Zweite machte uns auch Hoffnungen. Wahrscheinlicher war allerdings das es immer noch sitzend im Bauch war, wie bei den letzen US-Untersuchungen.
Mit etwas Mühe bauten wir Nina dann auf dem Bett eine gute Sitzposition, eine ihrer Horrorvorstellungen war es in der klassischen Käferposition zu gebären und auch Wehen waren ihr im Sitzen immer am "angenehmsten" zu ertragen. Also türmten wir allerlei Kissen aus dem Bett hinter ihr auf.
Kaum damit fertig bekam sie in sehr schneller Folge sehr kräftige Wehen. Sie stemmte sich dabei mit den Füßen an meinem Oberschenkel und meiner rechten Hand ab. In dem Moment war mir klar: wir würden ganz sicher in gar keine Klinik mehr fahren. Es war zu spät, um die Strecke noch zu schaffen.
Eine Geburt am Straßenrand der Landstrasse hielt ich nun für das größere Übel, auch wenn ich mir, nach allem Gelesenen, besonders um das Zweite große Sorgen machte.
Schon bei Matthias lies Nina kurz vor den Presswehen wissen, dass sie nun nicht mehr mag, nicht mehr will und kann. Genau das trat nun wieder ein. Zudem hatte Nina den Eindruck ungewollt zu pinkeln, ich schob ihr das große dicke Handtuch, das sie zuvor als Kopfstütze im Stuhl verwendet hatte unter und sagte sie solle halt pinkeln. Tat sie aber nicht. Es ist nicht mehr ganz klar zu erkennen, ob es nicht evtl. erstes Fruchtwasser war, das dieses Gefühl auslöste oder der Druck auf die Blase.
Doch zum Nachdenken gab es wenig Zeit, die nächste heftige Wehe rollte an wieder drückte Nina mit Kraft gegen mich als Widerlager auf dem Bett. Das funktionierte prima. Ich wusste, dass ich nun noch ein paar Dinge brauchen würde und fragte Nina, wo die Nabelklemmen von den Katzen wären. Wir züchten Katzen, die bekommen zwar normalerweise keine Klemmen, aber in dem Geburtsset, das wir mal bestellten, waren auch sterile Nabelklemmen, so wie ein Absaugbehälter.
Schnell waren die Sachen aus dem Schrank besorgt, dazu eine Nagelschere aus dem Bad. Unterwegs hörte ich Matthias schreien. Er war wohl von Ninas inzwischen eher als Gebrüll zu bezeichnenden Schmerzensschreien wach geworden. Ich rief Luca über die Treppe nach oben er möge ihn beruhigen, mit nach unten nehmen oder so... der kam sofort.
Ich selbst begab mich wieder ins Schlafzimmer und schloss die Tür. Schon rückte die nächste Wehe an. Dann kam mit einem Plop und Schwall eine große Menge Fruchtwasser auf mich zu und kaum eine Minute Später öffnete sich vor mir wie von Geisterhand der Geburtskanal, der Kopf schob sich mir entgegen. Ich versuchte so was wie man auf Bildern immer Hebammen den Dammschutz machen sieht. Keine Ahnung ob das irgendeine Wirkung hatte, aber zügig wurde der Kopf wie in Büchern beschrieben unter einem Urschrei der Mama geboren und eine weitere Wehe schob das ganze Baby direkt und schnell heraus. Ich liess es auf das inzwischen von Fruchtwasser, Blut und Schleim getränkte Handtuch gleiten. Das erste Baby war da. Es schrie auch sofort und laut einmal. Die Haut war rosig und die ersten Atemzüge sehr gut zu hören. Die Nabelschnur pulsierte noch. Irgendwo hatten wir gelesen, dass bei Zwillingen das erste möglichst schnell abgeklemmt werden soll auch zur Plazenta hin, um Komplikationen bei der Versorgung des zweiten zu vermeiden.
Also nutzte ich die zwei vorhanden Nabelklemmen, um die Nabelschnur abzuklemmen und nabelte das Kind mit der Nagelschere ab. Ich rieb sie kurz mit einem frischen Handtuch ab und legte sie neben die Mama.
Nina war geistesgegenwärtig genug das verbleibende Mädchen im Bauch regelrecht festzuhalten und im den Weg zu zeigen.
Es sollte auch nicht mehr lange dauern, bis die nächste Wehe kommt. Womit ich mich noch nie beschäftigt hatte, was kommt als nächstes: die erste Plazenta oder das zweite Baby? Aber auch darüber brauchte ich nicht lange nachzudenken, das was sich da herauswölbte, war schnell als Fruchtblase zu erkennen, sie wurde etwa faustgroß, dann platzte sie erneut mit einem Schwall und meine Beine waren entgültig nass, sogleich sah ich ein rechtes Bein, ich drückte es etwas in Hockposition, Nina rief irgendwas ich solle den Finger nicht in sie stecken, doch das tat ich gerade gar nicht, ich hielt in der rechten Hand das Beinchen, mit der linken erneut den Damm. Also doch BEL dachte ich noch da kamen auch schon der Po und das andere Bein, schnell rutschte das Kind bis zum Hals heraus.
Mir war klar, dass es jetzt schnell gehen musste, ich versuchte die Nabelschnur freizuhalten und trieb Nina mit der gleich folgenden Presswehe zum Drücken an. Das klappte prima und der Kopf flutschte mit dem Gesicht nach unten heraus. Ich schälte sie aus der noch vorhandenen Eihaut. Die Nabelschnur pulsierte noch. Anders als das erste Baby, röchelte das zweite recht stark. Zum Glück hat Matthias das auch gemacht, so wusste ich, das dies durchaus noch normal war. Da sie etwas Fruchtwasser spuckte bevor sie verhalten schrie entschloss ich mich den Absauger zu nutzen. Die Nabelschnur pulsierte weiter. Ich saugte den Mund einwenig ab und schon stellte sich eine deutlich hörbare Atmung ein. Auch das 2. Baby war rosa bis auf blaue Händchen und Füße.
Ich befreite sie weiter von Fruchtwasser. Es war geschafft. Ich konnte Nina noch bestätigen, dass es wirklich zwei Mädchen sind. Die Farbe der Füßchen wurde deutlich besser. Inzwischen war die Nabelschnur auspulsiert. Ich besorge nun aus dem Bad den Zahnseidespender und band sie damit ganz ab, bevor ich sie auch mit der Nagelschere abnabelte.
Um 20.54 Uhr war die Geburt beendet.
Auch in ein Handtuch eingeschlagen gab ich sie zu Nina. Unsere Zwillinge waren da. Es sollte noch ein paar Minuten dauern bis auch die Plazenten mit weiteren Wehen kam. Sie waren offensichtlich 2, aber doch am Ende zusammengewachsen.
Ich versuchte, so gut ich es bei Matthias gesehen hatte nachzusehen ob sie vollständig ist. Konnte auch nichts offensichtlich Fehlendes feststellen.
Die Babys glucksten zufrieden vor sich hin. Wir begannen einwenig aufzuräumen, ich zog das Bett ab usw. Wir riefen die Habamme an, die völlig überrascht zusagte sofort zu kommen. In der Zwischenzeit konnte ich auch die Kinder über ihre Geschwister informieren. Ich bat Luca die Hebamme reinzulassen. Zwischendurch schaute er seine Geschwisterchen noch vorsichtig an. Jonas war schlief bereits und wollte lieber am nächsten Morgen schauen. Matthias erwachte durch Ninas kurzes Duschen erneut. Ich legte ihn in mein Bett und er begutachtete seine Geschwister. Zwischendurch lies er sich vorlesen. Die Hebamme fand uns dann alle im Bett vor, die Zwillinge zwischen uns. Es war einfach ein schönes Bild.
Sie machte dann mit uns die U1 und einen kurzen Geburtsbericht. Die Zwillis bekamen Namen und nachdem sich die Hebamme verabschiedet hatte wurden sie zum ersten Mal eingekleidet. Dazu plünderten wir die Kliniktasche. Nina zog Pia an und ich Lilith.
Wir hatten dann eine erste gemeinsame Nacht.
Ich hoffe ich habe die Ereignisse aus meiner Sicht recht vollständig wiedergegeben.
Es war ein fantastisches Erlebnis.
LG Frank
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