Mittwoch,
8. März 2000
Heute ist der 8. Tag über Termin... Wir haben um 08.30 Uhr eine
Kontrolle bei Susanne und die letzte Akupunktur-Sitzung. Die
letzte Kontrolle hatten wir eine Woche zuvor, 1 Tag vor dem
errechneten Termin. Ich freue mich schon die ganze Woche auf
diesen Termin heute. Einerseits habe ich Angst, unser Spatz
lässt sich zu viel Zeit und mir graut vor einer Einleitung im
Spital, andererseits mache ich mir Sorgen, dass es unserem Kind
vielleicht nicht mehr so gut gehen könnte - wieso auch immer.
Es tut gut, mit Susanne zu reden und zu wissen, wir können dem
Kind mindestens die 5 Tage noch Zeit geben. Es eilt nicht -
Mutter und Kind sind wohlauf.
Wir besprechen, welche Möglichkeiten wir noch hätten, wenn sich
bis zum Wochenende nichts tut. Dann bekomme ich nochmals die
letzten Akupunktur-Nadeln gesteckt. Ich geniesse die Zeit, einfach
da zu liegen und zu reden. Die Atmosphäre tut mir gut. Emotional
wieder gestärkt (wie nach jeder Kontrolle im Geburtshaus) machen
wir uns auf den Weg. Ich sage zu Dani, dass ich am liebsten
Susanne bei der Geburt dabei hätte, dass dies aber wohl unwahrscheinlich
wäre, sollte das Kind demnächst gleich kommen, weil Susanne
ja eben gerade Dienst hatte. Bei Susanne hatten wir die meisten
Kontrollen und natürlich die Akupunktur.
Weil heut Dani's Geburtstag ist, machen wir uns einen schönen
Tag. Noch einmal ein ausgedehnter Einkaufsbummel, etwas Kleines
zum Mittagessen und am Abend das Geburtstagsessen bei Dani's
Eltern. Am Abend nehmen wir uns Susannes Tipp zu Herzen, dass
Liebe machen die Geburt auch in Gang bringen könnte... also:
ein gemütlicher Abend mit schönem Bad bei Kerzenlicht ist angesagt!
Es sollte unser letzter Abend als "nur Ehepaar" werden.
Donnerstag, 9. März 2000
Zwischen 24.00 und 01.00 Uhr bemerke ich, dass ich ziemlich
regelmässig alle 5 Minuten Wehen habe. Da diese aber gar nicht
schmerzhaft sind, messe ich dem nicht allzu grosse Bedeutung
zu. Ich bin schon fast am "einlullen" denn es war ein ziemlich
anstrengender Tag. Nach etwa 45 Minuten Wehen kommt mir ein
fremdes Geräusch doch sehr merkwürdig vor... ich bemerke, dass
die Fruchtblase geplatzt ist und kann gerade noch zur Toilette
rennen. Und tatsächlich - das ganze Fruchtwasser geht in einem
Schwall ab.
Ich wecke Dani und sage ihm was passiert ist und wir besprechen,
was wir tun sollten. Wir entschliessen uns, zur Sicherheit im
Geburtshaus anzurufen und zu fragen, was zu tun ist. Heidi hat
"Telefondienst" und sie fragt mich ein paar Dinge. Wir verbleiben
so, dass wir gleich noch in der Nacht eine Kontrolle machen
und sehen, wie es dem Kind geht. Um etwa 03.00 Uhr treffen wir
im Geburtshaus ein und Heidi macht ein CTG. Alles ist ok. Es
kommen immer noch häufig Wehen, aber sie sind erträglich.
Heidi fragt uns, ob wir im Geburtshaus übernachten wollen oder
ob wir lieber nochmals nach Hause gehen möchten. Da es mir und
dem Kind so gut geht und die Wehen gar nicht schlimm sind, denken
wir, dass es besser ist, zu Hause zu schlafen. So machen wir
uns wieder auf den Heimweg.
Zu Hause angekommen legen wir uns hin. Aber dies sollte nicht
für lange sein! Schon um 5 Uhr (wir sind kaum eine halbe Stunde
zu Hause) werden die Wehen heftiger, so dass es für mich nicht
mehr möglich ist, diese im liegen zu ertragen. Also ist Fussmarsch
angesagt. Ich drehe meine Runden um die Wohnung. Ab und zu muss
ich mich vor Müdigkeit hinsetzen. Kaum habe ich den Kopf aufgestützt
und nicke fast ein, schon kommt die nächste Wehe. In Abständen
von 5 bis sogar 3 Minuten.
Zwischen den Wehen habe ich heftige Kopfschmerzen. Es nervt
mich, dass ich die Zeit zwischen den Wehen auch noch Schmerzen
habe. Dani schläft in der Zwischenzeit - wenigstens halbwegs.
Es bringt nichts ihn zu wecken. Was sollen wir auch zu zweit
unsere Runden drehen. Es tut mir gut, so für mich alleine zu
sein. Ich komme so ganz gut zurecht.
Um kurz nach 07.00 Uhr finde ich es an der Zeit, nochmals im
Geburtshaus anzurufen. Heidi meint, dass wir gleich kommen sollen.
Und so machen wir uns wieder auf den Weg nach Steinach. Diesmal
mit heftigeren Wehen und die Fahrt scheint endlos zu sein. Kurz
vor der Ausfahrt Winkeln ist gerade noch zu erkennen, dass sich
auf der Stadtautobahn ein Stau gebildet hat. Gerade noch können
wir die Autobahn verlassen. Wir fahren durch die Stadt und gleich
danach wieder ab auf die Autobahn. So hatten wir dann doch fast
gleich lange wie sonst auch immer. Und in der Zwischenzeit vergehen
sogar die Kopfschmerzen.
Kurz nach 08.00 Uhr kommen wir endlich in Steinach an. Zu meiner
grossen Freude erwartet uns schon: Susanne!! Das Geburtszimmer
ist schon bereit. Kerzlein brennen und es läuft schöne Musik.
Trotz allem nehme ich die wunderschöne Stimmung wahr und ich
weiss, jetzt bin ich gut aufgehoben.
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Dass
Susanne da ist und dieser schöne, friedliche Raum geben mir ein
Gefühl des Aufgefangen werdens. Es dauert einige Zeit, bis ich
loslassen und mich völlig auf den Schmerz konzentrieren kann.
In der Badewanne zu sitzen hilft mir, mich zwischen den Wehen
so richtig entspannen zu können. Es ist angenehm, sich tragen
zu lassen, wenn der Schmerz wieder nachlässt.
Ich weiss nicht mehr, wieviele Wehen vergehen, bis Susanne nachschaut,
wie weit der Muttermund schon offen ist. Jedenfalls höre ich mit
Erstaunen, dass es schon ganze 5 cm sind! Wow - ich kann mich
zwischendurch sogar freuen! Die Zeit kam mir dann auch nicht allzu
lange vor bis ich hörte, dass alles ganz offen ist. Nie hätte
ich damit gerechnet, die Eröffungsphase in nur zwei Stunden hinter
mich zu bringen. Die Akupunktur scheint gewirkt zu haben!
Doch der strengste Teil der Geburt sollte ja erst noch kommen.
Während der kommenden 3,5 Stunden versuchte ich zu pressen, was
das Zeug hielt. Doch es wollte nicht mehr richtig vorwärts gehen.
Ich hatte das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben für den letzten
Teil. Susanne schlägt vor dass ich die Wanne verlasse, um noch
einige andere Positionen zu probieren. Auf dem Bett liegend zum
Beispiel. Aber das hilft mir nicht. Ich finde keinen Halt mehr.
Zwischendurch haben wir besprochen, dass ich das Gefühl habe,
dass ich einfach keine Kraft habe, den Kopf des Kindes "um die
Kurve" zu bringen. Susanne erklärte mir, dass mir die Wehen nicht
mehr genügend helfen würden und dass mir eine Infusion helfen
würde, den Rest noch zu packen. Ich bewege mich zurück in die
Wanne wo mich die inzwischen eingetroffene Madeleine an den Tropf
anhängt. Und siehe da - schon ging es vorwärts.
Der Schmerz der Wehen sind das eine, aber wenn das Köpfchen sich
seinen Weg in Richtung Ausgang sucht, das ist dann nochmals etwas
ganz anderes. Ich hatte das Gefühl, ich werde auseinandergerissen
und ich bekam auch Angst. Es machte mir Angst so fest zu drücken.
Und es machte mir auch Angst, keine Wahl zu haben. Jede kommende
Wehe muss genommen werden. Keine Chance zu sagen, die nehme ich
nicht - ich nehme lieber dann die nächste oder noch lieber gar
keine mehr! Ich dachte, mein Geschrei müsste kilometerweit zu
hören sein. Aber es war mir egal.
Und dann kam der grosse Moment wo das Köpfchen geboren war und
ich es anfassen konnte. Da wusste ich, jetzt ist das Schlimmste
vorbei. Noch eine Wehe und ich konnte unsere Zoé endlich im Arm
halten. Um 13.24 Uhr war unser Schatz geboren!
Ich bin unendlich dankbar, dass unsere Tochter einen solchen Start
ins Leben haben durfte und dass ich die Geburt so bewusst und
natürlich erleben durfte. Diese Stimmung und dieser Frieden im
Geburtszimmer werde ich niemals vergessen. Was uns auch immer
in schönster Erinnerung bleiben wird ist, als wir unsere Tochter
zum ersten Mal baden durften. Cornelia hat uns den Umgang mit
dem Tummy Tub gezeigt. Dafür hat sie das Geburtszimmer so wunderschön
hergerichtet mit Kerzen und Musik - das ging so richtig ans Herz!
18. März 2000
Die 4 Wochenbetttage in Steinach sind sehr schnell vorbeigegangen.
Wir wurden liebevoll betreut und auch kulinarisch verwöhnt. Es
ist schön, die Tage und Nächte als ganze Familie zu geniessen.
Auch der frischgebackene Papa wird von Anfang an gefordert mit
Windeln wechseln! Vier wichtige Tage die uns einander noch näher
bringen.
Am 13. März 2000 sind wir nach Hause "umgezogen". Wieder ein wichtiger
Schritt. Ein neues Leben fängt an. Als Paar haben wir die Wohnung
verlassen und als Familie kommen wir zurück. Die kleine Zoé macht
es uns die ersten Tage sehr leicht, sie ist so lieb und "pflegeleicht".
Ich kann mich kaum 5 Minuten von ihr trennen, sie war mir doch
9 Monate in meinem Bauch so nahe.
An drei Tagen ist Heidrun nun schon zu uns nach Hause gekommen
für die Wochenbett-Betreuung. Ich freue mich immer schon lange
vorher auf diese Besuche. Es ist gut zu wissen, dass jemand kommt
der uns hilft. Die Bauchmassage und die Gespräche holen mich immer
wieder für eine Zeit raus aus meinen "Heultagen".
Ich kann das Glück über meine Tochter kaum fassen. Ich bin dankbar,
ein gesundes Kind zur Welt gebracht zu haben. Trotzdem überkommen
mich immer wieder Heulattacken. Die übergrosse Liebe zu Zoé und
die Angst die ich um sie habe. Das müssen Muttergefühle sein.
Manchmal tut es einfach nur gut, die Tränen laufen zu lassen,
auch vor lauter Glück.
Prisca, Schweiz
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